Nächster Meilenstein: 60 km

Unglaublich, ich habe gerade überrascht festgestellt, dass mein letzter Wandertraining-Meilenstein (51,7 km) bereits zwei Monate zurückliegt. Zwar hatte ich diesen nicht als so weit zurückliegend in Erinnerung, doch allein vom Gefühl her sagte ich mir, dass ich langsam in die Puschen kommen sollte.

Schienenstrang

Vor einer Woche, in der Nacht von Samstag auf Sonntag sanken die Temperaturen auf 19°C, tags sollte die Höchsttemperatur bei 28°C liegen. Angesichts der Aussicht, dass die Temperaturen noch weiter steigen würden, war das noch relativ kühl.. Grünes Licht also für die nächste Herausforderung.

Länge der Route: 55 km

Fünf Kilometer Differenz zur geplanten Zieldistanz von 60 km atte ich bewusst offen gelassen, um einen Puffer für unerwartet zu umgehende Hindernisse oder zum Verlaufen zu haben.

Ich war nicht sicher, ob ich es schaffen würde. Einerseits hatte ich wegen des Urlaubs in letzter Zeit weniger Wanderkilometer als zuvor gemacht, und fühlte mich etwas unsportlich; andererseits ist man nach einer intensiven Regeneration voller Energie. Vielleicht könnte ich den alten Meilenstein ja doch toppen!

Von der Weitwanderung erzählen – wie denn?

Ich wollte meine Erfahrungen kurz zusammenfassen, in einem Beitrag mitteilen, doch dann war es unmöglich, die Erfahrungen einigermaßen realistisch zu beschreiben, und gleichzeitig den Text kurz zu halten. Je länger die bereits zurückgelegte Distanz, um so erfahrungsreicher wurde jeder weitere Kilometer. Das gipfelte darin, dass die letzten 300 m dieser Wanderung mehr (inneres) Erleben mit sich brachten, als die ersten sieben Kilometer. Ich erzähle also liebe häppchenweise davon, wie ich schleichend in einen mentalen Ausnahmezustand geriet. Los geht ’s!

Teil 1 | Ohne Schlaf an den Start

Schwitzender Mann

Samstagnacht. Die Schlafenszeit sollte bereits um ein Uhr nachts beginnen, da ich mit Sonnenaufgang zur Wanderung aufbrechen wollte. Ich packte noch die letzten Sachen in den Rucksack, da hörte ich meinen Mann im Bad verhalten „Sch….!“ fluchen. Ich eilte hin … eine Wasserpfütze, deren Ursprung jedoch nicht durch wilde Planscherei in Dusche oder Waschbecken zu erklären war. Wir räumten den Schrank unter dem Waschbecken fort, und weil ich die Kleinere bin und besser in die Ecke passte, suchte ich nach dem Leck. Herrlich belebendes Nass an den Unterschenkeln. Da die möglichen Leckstellen von einer Wasserschicht ummantelt waren, musste ich direkt auf der Lauer liegen, bis sich ein verräterischer Tropfen neu bildete. Aber wo genau war sein Ursprung? Tick tack, tick tack, tick tack …
Als ich endlich im Bett lag, den Alarm einstellte, bestätigte die App: Alarm geht in 2h 09m. Puh, war das warm im Bett. Linke Seite, rechte Seite, Rücken … Ah verdammt, ich habe mein Hütchen (schützt vor Sonne und Regen) vergessen einzupacken! Wo ist das eigentlich? Habe ich das nach der Urlaubsrückkehr schon gesehen? Linke Seite … Rücken … raus aus dem Bett, durch die Dunkelheit getastet, um niemanden zu stören. Endlich das Hütchen gefunden. Boa ist das warm im Bett … Da! War da nicht ein Geräusch am Fenster? Es stand ganz weit offen, vielleicht wollte jemand einsteigen? Ich lauschte, in meiner Brust ba-bumm ba-bumm ba-bumm … Rechte Seite … wird schon nichts sein. Wieder ein Knacksen. Rücken … angespannte Lauschlage. Raus aus dem Bett, ans Fenster. Nichts zu sehen. Wie herrlich die leise fächelnde Luft. Ich genoss eine Weile, legte mich wieder hin. Hatte ich wirklich alles eingepackt?

Als ich wieder auf die Uhr schaute, blieb noch eine halbe Stunde. Die könnte ich auch für einen Becher Kaffee nutzen. Beim Megamarsch gibt es auch keinen Schlaf. Beste Bedingungen, um mich an den nächsten Meilenstein zu wagen. So sagte ich mir, mit fester innerer Stimme.

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Ziemlich sprachbegabt

Ich bin aus dem Urlaub zurück. Das kam so:

Vor dem Urlaub

Unser Wohnmobil benötigte dringend eine Wäsche. Wir – meine kleine Familie und ich – befragten den Wetterfrosch und entschlossen uns daraufhin, für eine Woche in die Karibik des Nordens zu fahren: ins schöne Urlaubsgebiet Vrist. Das liegt auf einer Landzunge zwischen der Nordsee und dem Limfjord in Dänemark.

Moment, ich gebe lieber zu, das mit dem Wohnmobil ist geflunkert. Ich entdeckte es während einer abendlichen Wanderung. Ich ließ das Wohnmobil stehen, nahm nur eine Aufnahme davon mit.

Morgens hielt es mich nicht lange im Bett, ich sprang heraus, schnappte meinen Rucksack und mache mich auf den Weg, Rundstykker im benachbarten Harboøre zu holen. Dabei komme ich an hübschen Wägelchen, Holzkisten oder ähnlichem vorbei, die Honig, Kartoffeln oder andere Leckereien beherbergen.

Nebenbei lernte ich, dass Honig hier Honning heißt, und Kartoffeln sind Kartofler. Sehr zufrieden denke ich bei mir, dass die dänische Sprache wirklich einfach zu verstehen ist.

So wusste ich beim Lesen des Schildes sofort, was sich in dieser Kiste verbirgt:

Ich hatte sogar passend Kronen dabei.

Vor acht Jahren waren wir schon einmal in Vrist, und ich weiß nicht mehr genau, ob es um Sanddorn-Gelee oder anderes ging. Jedenfalls hatte mein Mann damals etwas davon gesagt, er habe Lust auf Sanddorn bekommen; auch sei es sehr gesund. Meine Erinnerung daran war ziemlich verblasst, … und während ich sie zusammen zu bekommen versuchte, hob ich den Deckel der Holzkiste, um ein Gläschen Sanddorn-Irgendwas zu erwerben und damit meinen Mann zu überraschen.

Verblüfft stellte ich fest, dass es in der Kiste nur flache Päckchen gab. Ich kombinierte: vermutlich war darin jeweils eine Handvoll rohe Früchte verpackt. Auch gut, eine schöne Dekoration für den Frühstückstisch.

Ich wählte eines der Päckchen und war ein wenig enttäuscht. Das Papier fühlte sich ziemlich durchfeuchtet an, auch schien es unerwartet schwer.

Wer weiß, wie lange die Früchte hier schon lagen? Vielleicht waren sie bereits etwas vergammelt? Schlechte Früchte wollte ich nicht mitnehmen, so nahm ich ein Päckchen, um den Inhalt in Augenschein zu nehmen. Endlich hatte ich das Zeitungspapier entfaltet …

Plötzlich ging mir jenes Licht auf, das beim allerersten Anblick des Schildes bereits zu glimmen begonnen hatte, das mir sagen wollte: Sanddorn = sandorm …. da stimmt etwas nicht.

Inzwischen hatten sich die Wattwürmer in Bewegung gesetzt, in alle Richtungen wollten sie entweichen. Schlagartig wich die Erstarrung von mir. Ich hatte Mühe, die Würmer wieder in das alte Format zu bringen – nebenbei noch dieses Foto – und die Zeitung wieder so zu falten, wie ich sie vorgefunden hatte. Vorsichtig, mich verstohlen umschauend, schloß ich den Deckel der Kiste.

Meinen Weg hatte ich längst fortgesetzt, als ich den ersten Gedanken wahrnahm, der war: Ich habe ja seit den Würmern nicht einen Gedanken mehr gehabt! So kleinlaut war ich geworden, dass sogar in meinem Kopf so lange Funkstille herrschte.

Sprung in die Gegenwart

Hüpf hüpf

Wer hätte das gedacht, dass mein Bloggername „Mrs. Flummi“ mal so treffend sein würde. Seit Mai steht eine zweite Jumping-Fitness- Trainingsstunde auf meinem wöchentlichen Trainingsplan. Die Trainerin rief eine Choreogruppe ins Leben, Ich fand mich dadurch elektrisiert, und … juhu, ich bin dabei!

Arbeitet super mit der App komoot zusammen

Natürlich verringert sich damit einmal mehr die freie Zeit, die ich zum Schreiben nutzen könnte. Voraussichtlich im August werden wir zum ersten Mal auftreten. Ich werde viel üben müssen, denn zu den Choreo-Talenten zähle ich definitiv nicht — um es freundlich auszudrücken. Wir haben sogar schon unser Bühnenoutfit, das aber noch bedruckt werden muss. Vielleicht berichte ich zu gegebener Zeit davon – ich will es nicht versprechen.

Jedenfalls ist Jumpen nicht nur ein super Intervalltraining, es geht dazu auch ordentlich an die Beinkraftreserven. Manchmal kollidieren die Wander- und Jumpingeinheiten …. Ja, das ist nicht ideal. Da ich aber eh nur „spielen“ und Freude haben möchte, ist das alles okay so. Vor einem Auftritt sollte ich jedoch besser keine 50 km wandern. Beim Jumping-Fitness lässt man sich nicht passiv von der Sprungmatte nach oben befördern, sondern stemmt die Füße gen Boden, fängt die Schwingung mit den Beinen ab. Das kostet Kraft. Der Kniehebelauf macht auf dem Trampolin allerdings viel mehr Spaß als auf dem Rasen.

So weit, so gut

Nachdem ich also am 23. April die Kilometermarke 30 bis ca. 38 der MM-Route unter die Sohlen genommen hatte, legte ich bis heute weitere 500 km wandernd zurück. Das heißt, nie und nimmer werde ich die damit einhergegangenen Erfahrungen und Erlebnisse hier noch dokumentieren können. Deshalb mache ich es kurz und bringe einen Überblick meines bisherigen Wandertrainings im Schnelldurchlauf.

April | Meilenstein

Ich wagte kaum daran zu glauben, als ich mich am 23. April morgens auf den Weg machte, dass ich die 40 km-Marke knacken könnte. Vorsichtshalber hatte ich die letzten Kilometer so gelegt, dass ich vor Ort entscheiden konnte, an welchem Bahnhof ich in die S-Bahn heimwärts einsteigen würde. Yay, es gelang mir, mein Ziel zu erreichen, auch wenn ich am Ende dachte, das Innenleben meiner Füße würde auf Nimmerwiedersehen zerbröseln.

40 km – check!

Am Tag nach den 40 km war ich um so mehr überrascht, wie schnell der Körper regeneriert. Abgesehen von etwas Müdigkeit in der Beinmuskulatur war nichts mehr von der Wanderung zu spüren. Ja, das stimmte mich echt zuversichtlich und ich begann davon zu träumen, vielleicht einmal 50 km wandern zu können.

Mai

Der nächste Meilenstein

Der Maifeiertag bot sich – wegen des großzügigen Zeitrahmens – für eine lange Wanderung geradezu an.

Am Maifeiertag war im Gewerbegebiet nix los auf den Straßen

Da ich nach den vierzig Kilometern nicht zusammengebrochen war, wollte ich etwa zehn Prozent an Strecke drauf packen. Auch hier überlegte ich mir zur Sicherheit mehrere Varianten mit verschiedenen Bahnhöfen als mögliche Ziele. Am Ende lief es so gut, dass ich vom Megamarschziel in Langen (Hessen) zu Fuß heimwärts wanderte, und gut 46 km schaffte. Die letzten Kilometer waren anstrengend. Unter anderem ging es einen hohlen Reitweg im Wald entlang, wo ich zudem von einem Hund angegriffen wurde, knapp einem Biss entging. Ich hatte eigentlich kaum noch Reserven für eine solche Konfrontation … Ich spürte schon den heißen Atem an meiner Pobacke, dazu das leise, und damit um so beunruhigendere Knurren. Ich wollte nur noch nach Hause …

Es ging gut aus. Die Hundehalterin, die anfangs nicht mal bemerkte, was abgeht, bekam ihren Hund schließlich doch noch unter Kontrolle. Anfangs dachte ich, er lässt sich nicht zurückrufen.

Ca. einen Kilometer nach der Hundebegegnung traf ich die Wanderwaschmaschine. Sie machte gerade Rast.

Uff, ich kam heil zu Hause an, sagte schnell zu meinem Mann, er solle nur nicht sagen, dass ich mich setzen soll. Erst einmal wollte ich unser warmes Abendessen zubereiten. Ich vermutete, nach dem Sitzen kaum mehr in Gang zu kommen. Deshalb blieb ich auch nach dem Essen nie lange sitzen, sondern ging immer wieder auf und ab.

Am nächsten Tag war alles wieder im Lot.

Im Mai wagte ich mich an die 50km

50 km

Nachdem ich am 12. Mai mit 48 km klargekommen war, wollte ich es wissen: würde ich die 50 km-Marke auch noch knacken können? Ich spürte eine gewisse Unsicherheit. Die Vorstellung, irgendwo allein im Wald und dann eine unerwartete Schwäche, Übelkeit, Schwindel …. Also legte ich die Route so, dass mich die letzten zehn Kilometer einen Bahndamm entlang führten, so dass ich alle paar Kilometer nur auf die S-Bahn hätte warten müssen, um heimzufahren.

Kein Foto von dem hier erwähnten Bahndamm – stattdessen ein Bild von der Dreieichbahn

Ehe ich den Bahndamm erreichte, wurde ich mitten im Wald von einem heftigen Gewitter erwischt. Boah ne, hatte ich dafür Reserven? Und was noch geil war: ich hatte mir eine Regenhaut in den Rucksack gepackt (tatsächlich war tolles Wetter vorhergesagt gewesen), die ich schon ewig nicht mehr entfaltet hatte … Nun also der Prasselregen und die Plastikhaut klebte wie verleimt zusammen. Ließ sich dann aber doch noch trennen, als ich schon gut durchnässt war. Erst einmal musste ich ja die Elektronik trocken verstauen, denn die ist ja echt aus Zucker.

Der kräftige Regen hatte mich nicht nur erfrischt, sondern auch von der Erschöpfung und den schmerzenden Füßen abgelenkt. So schaffte ich es bis nach Hause. Das war schon echt krass für meine Füße …. Zwar war am nächsten Tag auch alles wieder gut, aber irgendwie war es doch etwas anders gewesen.

Mein Problem ist die Neigung zum Fotografieren. Denn letztlich zählt beim Wandern nicht (nur) die Streckenlänge, sondern vor allem die Zeit auf den Beinen/ Füßen. Es geht an die Substanz, ohne dass man während des Fotografierens vorankäme. Nur um das deutlich zu machen, wie undiszipliniert ich bin: auf die 48 km hatte ich weit über hundert Fotos aufgenommen! Was das an Zeit gefressen hat! Was das unnötig die Füße belastet hat. Na ja ….

Juni

Tja, wie sollte es jetzt weitergehen …

Skulpturenpark Eschborn | Das Versprechen

Ich war etwas ratlos. Einerseits war und ist es verlockend, den nächsten Meilenstein anzusteuern. Andererseits hatte ich das starke Gefühl, es wäre besser, den gegenwärtigen Stand erst einmal zu stabilisieren. Andererseits läuft natürlich die Zeit bis zur Veranstaltung auch davon.

Mauer am Mazda-Gelände

Stabilisation

Da zu dem Zeitpunkt gleich beide meiner Laufschuhe, in denen ich stundenlang wandern kann, sich zerschlissen hatten, passte es doch fast gut.

Die neuen Wanderschuhe

Mit neuen Schuhen wollte ich nicht gleich 40 km wandern. Ich nahm die Dinge hin. Schuhe einlaufen, und gleichzeitig den Trainingsstand sichern. Nicht zu vergessen die Zeitfrage. Es ist gar nicht so einfach, eine lange Wanderung einzubauen. Glücklicherweise sind jetzt die Tage lang ….

Ich glaube, irgendwo in Frankfurt am Main gesehen …

Wegen der neuen Schuhe, wegen der fehlenden Zeit, wegen dauernd angekündigter Gewitter war noch keine lange Wanderung drin. Deshalb habe ich mehrere kurze hintereinander gemacht.

Was richtig cool ist, was ich nicht erwartet hatte: Die 35 km am 1. Juni kamen mir relativ kurz vor. Im Gegensatz zum 16. April, wo ich noch dachte, ich hätte meine Füße geschrottet. Doch Vorsicht, nichts ist sicher. Meine Füße sind immer für eine Überraschung gut, so wie ich das bisher erlebe. Es sind launenhafte Prinzessinnen, die dafür sorgen, dass ich nie übermütig werde. Eher andersrum.

Sind 60 km drin?

Ich bin nicht sicher, ob ich diese im Oktober erreichen werde. So viele Faktoren kommen zusammen. Was die Ernährung anbelangt, werde ich noch etwas experimentieren müssen,. Viel Hunger habe ich nach vielen Wanderstunden nicht mehr, aber Nahrung zuführen muss ich, ohne dass mir übel wird. Genau dafür sind die kommenden langen Wanderungen gut, mich dem anzunähern, ,was für mich passt.

Irgendwann – und sei es in ferner Zukunft – werde ich von der Megamarschstrecke noch berichten.