Vorgezogenes Geburtstagsgeschenk

Da ich das folgende halbe Jahr bis zum Megamarsch hier im Blog dokumentieren möchte, folgt jetzt der erste Teil des Schnelldurchlaufs. Entweder ich blogge zukünftig zeitnah mit oder es wird nichts draus.

Obwohl das regelmäßige Wandern nicht auch noch in mein Leben zu passen schien, zog es mich wandernd hinaus. Unter anderem:

Landkartenansicht mit eingezeichneter Wandertour
Drei Aufnahmen einer Wanderung zu kleinen Tümpeln
Das hat mir gut gefallen …

Ich wollte es mir anfangs nicht eingestehen, aber das Fieber hatte mich längst gepackt. Am 30. März unternahm ich eine längere Wanderung, um zu checken, ob meine Füße überhaupt so viel Asphalt mögen. Der Megamarsch in Frankfurt führt – so es bei der angegebenen Strecke bleibt – überwiegend über Asphalt. Ein Klick auf folgendes Bild führt zur detaillierten Tourbeschreibung mit Bildern (Zum Betrachten ist keine Anmeldung bei komoot notwendig, einfach nach unten scrollen):

Nach der Wanderung war ich eher noch mehr begeistert, schwärmte meinem Mann davon vor, und kam einmal mehr auf dfie Veranstaltung zu sprechen. Bald darauf kam eine Mail von meinem Mann in mein Postfach geflogen. Im Anhang mein Geburtstagsgeschenk zur Voransicht:

Early-Bird-Ticket Megamarsch Frankfurt 2019
Persönliche Daten habe ich unkenntlich gemacht. In Wirklichkeit sieht das nicht so ramponiert aus.

So, und jetzt noch Teil 2 des Schnelldurchlaufs aufschreiben, damit ich mir nicht selbst davonwandere.

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Vom Wandern

Eine Leitplanke in Großaufnahme. Auf die Oberfläche gepinselt ein rot-weißes Wanderzeichen. Dazu ein schwarzer Pfeil, der nach links weist. Unter diesem steht geschrieben: Monterosso

Welche Haltung habe ich eigentlich zum Wandern?


Grundsätzlich wandere ich gerne. Im Urlaub könnte ich jeden Tag mehr oder weniger lange Strecken mit meiner Familie machen, um die neue Umgebung intensiv zu erkunden. Ebenso Wanderungen an Wochenenden, für die keine lange Anfahrten nötig sind. Auch wenn bei Wandervorhaben unterschiedliche Bedürfnisse und individuelle Einschränkungen aller Familienmitgleider aufeinanderprallen, am Ende werden wir uns einig. Es ist insgesamt etwas, das mir Freude bereitet.

Wie aber muss ich mir die Vorbereitungen für eine Distanz von 100 km in 24 Stunden vorstellen?

Ab und zu eine verhältnismäßig kurze Familienwanderung wird keinen ausreichenden Effekt erzielen. Mit 57 Jahren braucht es etwas mehr Vorlauf, um den Körper darauf vorzubereiten. Klar, Laufen bin ich gewohnt, jedoch ist das eine andere Anstrengung als Wandern. Ersteres belastet das Herz-Kreislaufsystem, während das Wandern in der Hinsicht gemütlich ist. Der Laufapparat wird jedoch deutlich länger belastet. Zwar ist meine Beinmuskulatur durch das Krafttraining voller Power. Die Gelenke, Sehnen und Bänder werden durch den anderen Bewegungsablauf anders belastet, mein Körper ist dieses nicht gewohnt.

Vor zehn Tagen, also einen Tag danach, unternahm ich probeweise eine nur 18 km lange Wanderung. Bei 6 km/h ohne Innehalten zeigten sich, vor allem am nächsten Tag, meine diesbezüglichen Schwachstellen. Es wird Zeit und regelmäßiges Wandern brauchen, um meinen Körper für immer längere Distanzen im Wandermodus anzupassen.

Was bedeutet: Wandern wäre eine weitere Sportart auf meinem Trainingsplan. Eine zeitraubende Sportart, je mehr Kilometer ich mache. Laufen, Jumping, Kraftsport … das möchte ich dafür jedoch nicht aufgeben.

Wandern mit der Familie ist toll, reicht im Umfang jedoch nicht aus. Mein Trainingsplan ist prall gefüllt. Käme ich überhaupt je weiter als 40 km? Oder gar 60 km? 100 km als Ziel in der Zeit sind, für mich, wohl eher im Bereich der Illusionen anzusiedeln.

Nein, wirklich, dieses Event „Megamarsch“ und ich … wir passen einfach nicht zusammen

Freier Wille?

Auslöser

Vor zehn Tagen … Ich hatte auf einer anderen Plattform gelesen, dass im Oktober 2019 in Frankfurt ein Megamarsch stattfinden wird. Der Hinweis war verbunden mit der Frage, ob da jemand mitmachen will.

100 km in 24 Stunden wandern? Ach was, nein. Warum wandern, wenn Laufen schneller voranbringt? Wie viel Zeit das fressen würde, so lange Strecken im Training zu wandern. Damit war das Thema für mich schon erledigt.

Flausen im Kopf

Doch in meinem Kopf hatte sich ein wuschiger Zustand eingestellt, Gedanken, die sich nicht greifen ließen, sich aber wie Flausen anfühlten. Wie aufgewirbelte Flusen, die – aus dem Fenster entsorgt – unbemerkt ins Dachstübchen zurückschweben. Sobald ich ein bisschen zur Ruhe kam, wurde mir meine vage Verwirrung bewusst.

Als an dem Abend alle Pflichten erledigt waren, machten sich die unbekannten Flausen wieder bemerkbar. Dazu ein Flüstern, wie von etwas Vernünftigem im Nacken:

„Um die Verwirrung wegen des Wanderns zu ergründen, solltest du wenigstens ein bisschen loswandern.“

Ich fand diesen inneren Drang total unnötig. Weder wollte ich im Oktober megamarschieren, noch zu diesem Zeitpunkt sinnlos durch die Gegend wandern, um über das Wandern nachzudenken, von dem ich sowieso nichts wissen wollte. Ich will nicht wandern! Hatte ich mich selbst nicht verstanden?

Frischer Wind für einen klaren Kopf

Okay, warum nicht ein paar Schritte gehen? Frische Luft und durchatmen. Kann nicht schaden. Ich wechselte nicht mal die Schuhe. Entschlossen schritt ich voran. Den Wirtschaftsweg entlang in Richtung Wald. Dort querfeldein. Vom Gehen kam ich ins Marschieren. Und mit dem Marschieren, mit den ausholenden, kräftigen Schritten konnte ich die Flausen aus dem Kopf immer mehr vertreiben. Das fühlte sich so gut an! Endlich zur Vernunft kommen. Die Füße begannen zu schmerzen. Klar, rund vier Kilometer war ich inzwischen querfeldein gewandert:

Genau der richtige Wanderstiefel, wenn man sich vom Wandern abbringen will?

Schnell nach Hause. Wie von selbst hatte sich in meinem Kopf alles geordnet und geklärt. Zu dumm nur, dass ich mir durch diesen unüberlegten Ausflug mit ungeeignetem Schuhwerk womöglich gleich meine erste längere Wanderung verunmöglicht hatte. Diese Klarheit im Kopf – so angenehm sie war – irgendwie ging hier doch etwas in die völlig falsche Richtung, oder?