Wie ich zum Sport kam | Teil 1: Walking

Für Sport fehlt mir die Zeit.
Und nehme ich mir Zeit für Sport,
fehlt mir die Zeit für andere Dinge.

Wie kam es eigentlich dazu, dass der Sport immer mehr (Zeit)Raum in meinem Leben einnahm? Wann und wie kam ich überhaupt zum Sport?

Mit einer halben Stunde Walken fing alles an

Kurze Vorgeschichte

Ein absoluter Bewegungsmuffel war ich eigentlich nie. Kurze Fahrten erledigte ich schon länger mit dem Fahrrad und auch sonst wich ich „gemütlicheren“ Aktivitäten nicht aus. Leider hemmten mich dennoch akute oder chronische Schmerzen in den Kniegelenken und im Lendenwirbelbereich.

Die Lendenwirbelsäule bereitete mir schon seit dem 12. Lebensjahr Probleme. Die Knie begannen bereits mit Mitte 20 Kummer zu bereiten (rheumatische Beschwerden). Doch die Schmerzen in den Hüften, die vor gut vier Jahren dazu kamen, die waren neu und so arg, dass ich mit dem linken Bein oft nicht mehr auftreten konnte. Pause machen, Bein entlasten, dann paar Schritte machen … heftiger Schmerz, Pause machen — mit Anfang 50 ein Wrack?? Hinzu kam, dass meine körperliche Verfassung nach einer Brustkrebserkrankung insgesamt nicht mehr so vital wie vorher war. Ich war erschöpft, müde und antriebslos, nicht zuletzt wegen immer wieder aufkommender Depressionen. Dazu das Übergewicht, unter dem ich wirklich litt. Ich fühlte mich am Ende, wie ein schwerer schlaffer Sack vor einer unüberwindbaren Wand.

Sommer 2013

Meine Intuition spricht selten so laut zu mir, wie sie das im Sommer 2013 tat. Ich „wusste“ mit einem Male, was zu tun ist. Nicht, wie alle meinten, das Bein, die Hüfte eine Weile schonen und auskurieren. Ich ahnte, da gäbe es nur eines auszukurieren und das möglichst bald: diese bisher von mir nicht wahrgenommene Degeneration.

Spontan entschied ich mich, „ab morgen“ Walken zu gehen. Ja genau, so sagte ich mir: …morgen fange ich an! Schlechtes Vorzeichen? Aber nein! Einmal darf man das sagen! Wirklich nur einmal, um sich mit dem Vorhaben innerlich anfzufreunden.

Die ersten 2 Monate

Anfangs walkte ich ca. 5 Kilometer, sehr bald verlängerte ich die Strecke auf  knapp 7 Kilometer. Denn fast vom ersten Tag an durfte ich erfahren, dass meine Hüftbeschwerden anschließend besser waren. Walkte ich zwei Tage nicht, kehrten sie zurück.

Während man flott losmarschiert, gehen viele Gedanken durch den Kopf: beispielsweise wie schön es wäre,  einmal Laufen zu können! Aber das hatte ich mir längst abgeschminkt. Wegen meiner Knie sollte ich, auf ärztlichen Rat hin, mich nicht mehr laufend fortbewegen. Von meiner fehlenden Kondition schweige ich mal lieber. Einmal, als ich mich unbeobachtet fühlte, versuchte ich während einer Walkingrunde ein Stück zu laufen … mit einem niederschmetterndem Ergebnis: ich kam keine hundert Meter weit, da fühlte ich mich kurz vorm Herzversagen. Ja, und ich tröstete mich mit dem Gedanken: Wenn man mit vollem Einsatz walkt, ist das auch schon anstrengend. Laufen ist ja eh nichts für die Gelenke; hört man immer wieder.

Zirkeltraining

Fast zeitgleich wurde ich Mitglied in einem Fitnessstudio. Dass dieses nur Frauen vorbehalten ist, war für mich weniger von Interesse. Wichtiger war, dass das Training machbar erschien: 3 mal wöchentlich für 30 Minuten trainieren, dazu ein gesundes Ernährungskonzept mit Kontrollterminen. Ich hoffte, meinem Leben so eine vorteilhafte Richtung geben zu können:

  • Abnehmen und einen strafferen Körper bekommen
  • Beweglichkeit zurückerlangen
  • Stärker werden
  • insgesamt wieder fitter werden
  • wahrscheinlich hatte ich noch mehr Wünsche  — ich fühlte mich jedenfalls wie eine Ganzkörperbaustelle

Ich war konsequent und zog das Zirkeltraining dreimal die Woche durch. Eine halbe Stunde ist wirklich schnell rum!

Mein damaliger Wochenplan

3 x Walken, 3 x 30 Minuten Zirkeltraining an hydraulischen Geräten

 

Fehlstart im Fitnessstudio | Wochenübersicht

Montag | Fehlstart im Fitnessstudio

Für diesen Vormittag hatte ich den ersten Termin zur Trainingsplanerstellung im Fitnessstudio. Ich hetzte mich ab, um pünktlich auf der Matte zu stehen und … keiner holte mich ab. Als ich später in die Anrufliste schaute, entdeckte ich erst den entgangenen Anruf vom Vortag, mit unbekannter Nummer. Das war wohl die Absage … *seufz*

Da ich nun einmal da, aber plan- und völlig ahnungslos bezüglich der Geräte war, nahm sich eine Trainerin meiner an und brachte mich – traraaa! – zum Zirkeltrainingsbereich. Natürlich, nachdem ich mich endlich vom Zirkeltraining befreit habe, war ich nur wenig begeistert, sah aber zugleich ein, dass es wohl das Einzige wäre, das ich dort an diesem Tag ohne Einweisung würde reißen können. Vorteil: die Geräte waren dem bisherigen Zirkel ziemlich ähnlich, das Training jedoch spürbar herausfordernder. Zumindest dann, wenn ich so „gemütlich gucke“, wie die Trainerin es nannte. Denn dann  setzte sie gleich mal kräftig den Widerstand hoch. Ja okay, das war etwas anstrengender als das alte Zirkeltraining, aber längst nicht so anspruchsvoll wie mein Freihanteltraining daheim.

Während ich also durch den Zirkel kreiselte, entdeckte ich gegenüber ein großes Gerät, das ich rasch als Klimmzugmaschine identifizierte. Begeistert rief ich der Trainerin zu: „Oh, da kann man ja Klimmzüge üben!!“ Da ich nach dem Zirkel immer noch so unangestrengt schaute, wies sie mich an der Klimmzugmaschine ein und zeigte, dass man dort auch unterstützte Dips machen kann. Das gefiel mir und ich zog gleich mehrere Sätze Klimmzüge und Dips durch. Ganz klar: diese Art der Unterstützung bei Klimmzügen ist letztlich doch hinderlich, wenn man mal freie Klimmzüge machen möchte. Der Bewegungsablauf erschien mir etwas unnatürlich. Aber für den Einstieg, um erst mal Kraft aufzubauen, finde ich das gut. Werde dann aber wechseln und mit meinem schwarzen Gummiband weitermachen. So auch bei den Dips. Bei den Dips fehlt eh nur noch eine Kleinigkeit, dann schaffe ich diese frei.

Unterm Strich hat die Entdeckung der Klimmzugmaschine die Enttäuschung etwas wett gemacht, dass ich nun erst am Mittwoch meinen Trainingsplan erhalten würde. Dieser Drang in mir, endlich richtig zu trainieren … damit gehe ich mir selbst schon auf den Keks.

  • 10 min. Crosstrainer
  • 30 min. Zirkeltraining
  • 3 Sätze Klimmzugmaschine
  • 3 Sätze unterstützte Dips
  • 15 min. Laufband – von Gehen bis Laufen, bisschen herumprobiert –  ungewohnt, fast unangenehm – fühlte mich steif in den Knie- und Hüftgelenken. Werde das aber für Intervalltraining nutzen und bin motiviert, mich daran zu gewöhnen. Soll das Laufen im Freien ja nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Dienstag | Laufen und Jumping

  • Laufen, nüchtern | 10,2 km | 0:59:22 | Pace: 5:49
  • 1 Stunde Jumping Fitness
  • 25,85 km Radfahren

Mittwoch |  Einstiegstraining

Am Mittwoch also der zweite Versuch mit dem Trainingsplan. Yay, dieses Mal mit Erfolg! Der Trainer war freundlich, hat meine unzähligen Fragen geduldig beantwortet; oder direkt am Gerät vorgeführt, was ich wissen wollte. Von jeder Übung machte ich an diesem Tag nur einen Satz; mit einem vom Trainer erst einmal ziemlich niedrig angesetztem Gewicht. Das war gut, so konnte ich mich erst einmal voll auf den ungewohnten Ablauf konzentrieren und hatte auch genug Ressourcen frei, um zum Zielmuskel hinzuspüren, mit diesem zu arbeiten. Auch ist es neu für mich, meist im Spiegel kontrollieren zu können, ob meine Körperhaltung richtig ist, der Bauch fest, die Schultern runter, die Brust raus. Dann lockte der Trainer noch mit der Bemerkung: „Wir schauen mal … wenn du soweit bist, geht es an die Königsdisziplin, das Kreuzheben.“ (Yes!)  In ca. acht Wochen wird der Trainingsplan modifiziert.

  • 10 min. Crosstrainer (Cardio)
  • 1 x durch den Trainingsplan, jedoch nur ein Satz je Übung
  • 20 min. Crosstrainer (die verschiedenen Einstellungen ausprobiert bis ich völlig durchgeschwitzt war)
  • 23,59 km Radfahren

Donnerstag | Laufen

Zugang zum Parkplatz an der B45 – da säumen nicht nur Hundehaufen den Weg!

Das Foto hatte ich bereits zu früherem Zeitpunkt in der Woche aufgenommen. Der Donnerstag war nämlich der erste Tag mit Dauerregen bei fast durchgängig 17° C. Ich entschied mich für meine dünnsten Laufklamotten, da diese am wenigsten Wasser aufnehmen würden. Kurze Laufhose mit einem flattrigen Camouflage-Ringershirt, und schon konnte ich fast unsichtbar loslaufen. Bald war ich durchnässt und der Spaß ging richtig los. Es war so herrlich!! Die Strecke hatte ich bei dem „Schietwetter“ ganz für mich allein und ich genoss es so sehr, mich eine Stunde durchprasseln zu lassen.

  • Nüchternlauf | 10,2 | 01:00:10 | Pace: 5:54
  • 9,88 km Radfahren

Abends wäre noch das Langhanteltraining gewesen. Doch war ich nicht nur beim Laufen nass geworden, sondern später ein weiteres Mal beim Radfahren, da hatte der Regen auch schon ziemlich zugelegt. Auf dem Rad war ich leider etwas ausgekühlt und später entsprechend erschöpft. Da war kein Feuer mehr in mir, das mich angetrieben hätte, nochmals mit dem Rad durch den Regen zum Training zu fahren. Und für läppische 14 km wollte ich das Auto auch nicht aus der Garage holen. Außerdem hatte ich eh schon überlegt, dass es klüger wäre, mit voller Kraft in mein erstes Training am Freitag zu starten. Schließlich wollte ich herausfinden, wie stark der Trainingsreiz sein würde. Also: alles gut, so wie es ist!

Freitag  | Das erste Training im Studio

Darüber habe ich bereits geschrieben — hier: Das erste Mal … — ein bisschen aufregend war es ja doch

Samstag | Aktive Regeneration

2 Stunden Shoppen gewesen — das war fast schon nicht mehr im regenerativen Bereich! 😅

Der neue Sport-BH vom Kaffeeröster gefällt mir sehr gut. Wollte immer schon so ein Teil mit Reißverschluss haben.

Immerhin konnte ich ein Teil für meine Sportswear-Schublade ergattern – also war es die Anstrengung ja doch wert:

Bei Ringerback-BHs habe ich manchmal das Problem, dass die Träger nicht gut einzustellen sind und dadurch die Nackenmuskulatur stets unter einer gewissen Anspannung steht, was meine sensible Halswirbelsäule wiederum unangenehm unter Druck setzt. Dieser Effekt tritt bei diesem Teil gar nicht auf – fühlt sich angenehm entspannt an. 👍

Sonntag | Laufen

Nüchternlauf | 11,3 km | 1:05:37 | Pace: 5:48

Das erste Mal – … ein bisschen aufregend war es ja doch

Heute war es soweit; eine Stunde bevor ich zum Fitnessstudio aufbrach, spürte ich doch ein wenig Aufregung. Das erste Training im Alleingang stand bevor. Zwar hatte ich mir am Mittwoch, als ich gemeinsam mit dem Trainer meinen Trainingsplan einmal testweise durchtrainierte, alles so gut wie möglich gemerkt, aber ob das noch abrufbar wäre? Oh oh … Ich spürte diese Hemmschwelle, die mich meine Sporttasche etwas umständlich packen ließ, die mich diese und jene Kleinigkeit daheim noch unbedingt erledigen lassen wollte, bevor ich … . Zugleich war ich richtig scharf aufs Training. Die Beinpresse hatte mir am Mittwoch Vergnügen bereitet. Und der Latzug erst! Heute könnte ich sogar noch etwas mehr Gewicht draufpacken. Ich freute mich darauf, meine Muskulatur arbeiten zu spüren.

Ich klemmte meinen Trainingsplan auf mein gelbes Traumnotizbrett, füllte die Flasche mit Wasser (und ließ sie zuhause stehen – na toll …), nahm die Sporttasche und machte mich auf den Weg.

Zum Warm Up bin ich für 20 Minuten auf den Crosstrainer ( Modus: Cardio) Danach konnte das eigentliche Training beginnen. Heute würde ich ja überhaupt erst einmal herausfinden müssen, mit welchem Gewicht ich an den verschiedenen Geräten arbeiten kann.

Die erste Station auf dem Plan war die Beinpresse. Ich wusste noch, wo ich sie finden kann und wie sie aussieht (haha, darüber werde ich vermutlich schon sehr bald lachen). Ich bestückte sie mit den Hantelscheiben und … war dann unsicher. Ein Hebel musste betätigt werden, um die Metallplatte zu lösen. Doch zu welchem Zeitpunkt? Bei ausgestreckten oder ganz angezogenen Beinen? Plötzlich bekam ich Sorge, meine Beine könnten unter einem zu schweren Gewicht zermalmt werden. Zum Glück waren zwei hilfsbereite Männer in der Nähe und es konnte losgehen. Ein Genuss, der Widerstand hatte es schon ganz gut in sich. Aber nächstes Mal kann ich noch etwas mehr Gewicht draufpacken.

Danach der Wadenstrecker. Da hatte ich am Mittwoch gleich mal die Waden des Trainers in den Schatten gestellt. Er meinte dazu, er müsse unbedingt mal wieder die Waden trainieren. Heute habe ich gleich das doppelte Gewicht draufgesteckt – nächstes Mal geht etwas mehr. Ich ahnte bisher gar nicht, dass meine Wadenmuskulatur so stark ist. Na ja, mir wäre fast lieber, ich könnte das über meinen Gluteus sagen, aber … okay, ich arbeite ja dran.

An der Abduktorenmaschine habe ich mich dämlich angestellt. Glücklicherweise sah das ein freundlicher Mann, der ein Gerät weiter trainierte und eilte herbei, mich einzuweisen. Hier war es nicht so einfach, das richtige Arbeitsgewicht herauszufinden. Denn als ich mit der Ausführung vertrauter wurde, erschien mir auch das Gewicht gleich zu leicht. Es ist eben nicht nur die Kraft, die das Gewicht bewegt, sondern auch das Know how.

Dann die Adduktoren … ähnlich, nur umgekehrt. Aber der Hebel … entweder habe ich da wieder etwas falsch gemacht oder der geht wirklich schwer.

Die nächste Station war die Brustpresse. Sehr schön, da sitzt man direkt vor der Spiegelwand und das Tolle ist dann, dass man seine Muskulatur richtig schön arbeiten sehen kann. So etwas motiviert mich ungemein. Klar, auf die richtige Haltung ist zu achten, aber ich freue mich immer, wenn die dicke Ader auf dem Oberarm zu sehen ist. Ach ja und … meine Güte, sehe ich alt aus. Von nun an werde ich ständig von Spiegeln umgeben sein! Das führt sicherlich zu einer gewissen Abhärtung meinem Anblick gegenüber.

Anschließend ging es zum Butterfly reverse. Hmmm … So wie sich das Gerät zeigte, war es für die Übung, wie sie mir gezeigt worden war, nicht zu nutzen. Die Gelenkarme mit den Handgriffen müssten in eine andere Richtung weisen. Ziemlich sicher würde ich dafür aber keinen Werkzeugkasten benötigen. Hmhmhmm. Und wie ich das Gerät noch rätselnd umkreise, kommt auch schon ein Trainer herbei und fragt, wie rum ich drauf sitzen will. Ich antworte: „Falsch rum!“ Haha! Jetzt weiß ich Bescheid. Gefällt mir gut die Übung, hat aber auch etwas ziemlich Fieses, sobald die Kraft nachlässt. Könnte meine neue Hassliebe werden.

Endlich war der Latzug dran. Darauf hatte ich mich die ganze Zeit gefreut. Noch verstehe ich gar nicht, warum mir das so gut gefällt. Auch hier ist es zum Ende hin eine Quälerei. Aber selbst die Quälereien piesaken unterschiedlich. Vielleicht finde ich das noch heraus, warum das hier doch „genussvoller“ schmerzt.

So, da war dann noch der Rückenstrecker. Ich begann mit viel zu wenig Gewicht. Legte nach und nach … Kam mir bald merkwürdig vor, ich werde mich noch einmal bei der Ausführung kontrollieren lassen müssen, um sicher zu gehen, dass ich das richtig mache. Auf jeden Fall war das ein Aha-Erlebnis: DAS also ist der Rückenstrecker! Zum ersten Mal konnte ich diese Muskulatur abgegrenzt spüren. Eigentlich ja ein Zeichen dafür, dass ich den Zielmuskel treffen konnte und somit die Ausführung richtig war. Das war anstrengend, aber sehr angenehm zugleich, diesen Rückenmuskel mal so richtig intensiv zu nutzen, ohne gleichzeitig das Gefühl zu haben, sich dabei womöglich die Bandscheiben zu crashen.

Da begreife ich hautnah (nämlich praktisch, und nicht nur in der Theorie), warum es wichtig ist, eine gewisse Grundkraft aufzubauen, ehe man mit freien Gewichten arbeiten sollte: Fehlt nämlich die notwendige Grundkraft ist die richtige Ausführung kaum möglich. Fehlende Kraft zieht immer Ausweichbewegungen nach sich, die schließlich zu Verletzungen führen (können).

Zum Schluß muss noch der Gegenspieler gestärkt werden: Bauchpresse. Ja, das war anstrengend. Ja, ich eumelte immer am Rand der Übelkeit entlang. Wegen der Übelkeit musste ich dann auch das Gewicht verringern. Aber das ist okay. Die richtige Ausführung macht stark und nicht das Gewicht, das dem Ego schmeckt.

Anschließend 20 min. Crosstrainer. Danach war ich glücklich. Mein Körper fühlte sich endlich mal wieder angenehm erschöpft an, während ich mich gleichzeitig mit positiver  Energie aufgeladen fühlte. Mit Tatendrang, mit Leichtigkeit, mit Freude. Freue mich schon auf das nächste Training am Montag. Yay!

Formverlust | Speedweek: zugenommen! | niedergeschlagen …

Rückblick: Von der Reise direkt in die Speedweek

Mit dem ersten Aufwachen im eigenen Bett startete dann auch gleich die Speedweek. Das Praktische ist, dass die erste Mahlzeit eh immer gegen  14 Uhr eingeplant ist und so genügend Zeit blieb, zum Einstieg ein paar Eier, Magerquark und Salatgurke zu besorgen.

Ich fühlte mich echt „dick“, was vermutlich daran lag, dass ich in der Urlaubswoche nicht hart trainiert und schließlich das ganze Wochenende sogar sitzend verbracht hatte. So freute ich mich auf die Erleichterung, die die Speedweek bisher immer mit sich gebracht hatte.

Tja, leider war das dieses Mal völlig anders. Nach einer Woche hatte ich sogar noch ein Kilo zusätzlich drauf. Ich hatte auch bemerkt, dass sich nicht die typischen Speedweek-Erscheinungen einstellten. Sonderbar. Auch jetzt, die Speedweek liegt ja schon ein paar Tage zurück, bleibt das höhere Gewicht bestehen. Es war die härteste Speedweek des Jahres, da ich nicht für meine Disziplin belohnt wurde – immerhin hatte ich mich konsequent auf 750 Kalorien am Tag beschränkt und auch sonst genau an die Vorgaben gehalten. Egal, Haken dahinter!

Wie üblich, nach dem Besuch meiner alten Heimat, fiel ich anschließend in ein tiefes, finsteres Loch. Heißt: der Alltag läuft auf Autopilot und ich weiß nicht, wo ich mich finden kann. Vielleicht will ich mir auch gar nicht begegnen. Völlig daneben. Autopilot auch beim Sport – jetzt bloß den Sport beibehalten!! Nicht überlegen, nicht auf die Leistungen schauen, nichts vergleichen! Einfach nur machen!

Mensch, mach doch, sonst gehste unter!

Sport | 31. Juni bis 6. Juli

Montag | Training A

Mir fehlt der Schwung für eine detaillierte Dokumentation des Trainings (ist aber vergleichbar mit dem Training, wie in diesem Beitrag beschrieben). Unter dem Strich kann ich sagen: der befürchtete Kraftverlust hat sich zumindest nicht auf das aufgelegte Gewicht ausgewirkt. Gleichzeitig war das Training mit spürbar mehr Anstrengung verbunden.  Klar, Speedweek, aber sonst hatte ich am 1. Tag auch noch keine bemerkenswerten Einbußen. Immerhin, es läuft!

Dienstag | Laufen | Jumping

Am Dienstag fühlte ich mich mehr psychisch denn physisch schlapp. Dennoch schon das Gefühl, körperlich nicht sonderlich belastbar zu sein.

Ein 10k Lauf – nüchtern – steht auf dem Plan

Es ist schwül, ich schleppe mich nach vier Kilometern mehr über die Strecke und beschließe, die Abkürzung zu nehmen (= ca. 7 km).Diese führt mich aus dem Wald raus. Bereits nach der nächsten Biegung sehe ich in der Ferne zwei Gestalten mit Hunden. Einer der Hunde ist weit voraus und erblickt mich in diesem Augenblick. Stocksteif angespannt bleibt er stehen. Er ist fern, und doch ist zu erkennen, wie sich sein Nacken „aufplustert“, er kurz davor ist, loszupreschen. Ich rufe laut und nachdrücklich: „Hallooo!!“ um den Hundehalter auf die Situation aufmerksam zu machen. Ach so, der hatte das wohl gesehen, sieht aber keinen Handlungsbedarf, zumindest reagiert er nicht. Inzwischen laufe ich immer langsamer, wechsele vorsichtshalber ins Schritttempo. Da setzt der Hund auch los, in einem Karacho auf mich zu. Ich schaue kurz zu ihm hin, schaue wieder weg und ignoriere ihn. Aber nee, der dafür günstige Zeitpunkt ist offenbar vorüber und er damit auch direkt vor mir. Mit gefletschten Zähnen, sprühendem Speichel, wilden Augen, kann er sich kaum beherrschen. Ich spüre die Hemmschwelle des Hundes zu einem äußerst dünnen Spinnfaden schrumpfen … Er scheint wirklich kurz davor, seine Zähne in meine Waden zu graben. Endlich eilt der Hundehalter herbei und ich hoffe, er schafft es noch rechtzeitig. Nur mit Mühe gelingt es ihm, den Hund an die Leine zu nehmen, denn der schnappt ja um sich. Und was sagt der Mann: „Manchmal tickt der aus, aber gebissen hat er noch nicht.“ Für den Hund hat das keinerlei Nachspiel, nicht ein Wort des Tadels oder sonstwas kommt über die Lippen des Hundehalters.

Ich hatte nach dieser Sache null Power im Körper, war völlig alle und zittrig,  und marschierte heim! Nur 35 Minuten war ich gelaufen!

Abends ging ich zum Jumping Fitness. Auch hier seltsam: Speedweek Tag 2 und das Puddinggefühl in den Oberschenkeln – das sich beim zweiten Intervall sonst einstellt – bleibt nahezu aus. Fein, da macht das Jumpen mehr Spaß, aber es scheinen ja noch ausreichend Kohlenhydrate gebunkert zu sein; was wiederum unerwünscht ist. Zeichen dafür, dass mein Training am Montag und der Lauf an diesem Tag nicht ausreichend an meine Reserven gegangen sind. Ungünstig für den Verlauf einer Speedweek.

Radfahren: 13,65 km

Mittwoch

Termin in einem Fitnessstudio. Zum Glück noch vor der Reise angeleiert. Infogespräch – Konditionen, Ausstattung des Studios, Kurse, Möglichkeiten, … Probetraining für Freitag vereinbart.

Donnerstag | Laufen | Langhanteltraining

Tiefpunkt … ich sah mich nicht in der Lage, zehn Kilometer zu laufen. Mich überhaupt aufzuraffen. Totale Erschöpfung auf allen Ebenen. Es war so, als brauchte ich Stunden, um überhaupt einmal tief genug durchzuatmen, mich für den Tag zu wappnen.

  • 54,59 km Radfahren

Gegen Abend war es besser und ich spürte eine gewisse Vorfreude bei der Vorstellung auf eine Stunde „Langhanteln“. Der Trainer hatte Rücken, es wurde also weniger „Langhantel“ als vielmehr fiese Bodyweightübungen. Ausgerechnet war eine dabei, für die meine Arme zu kurz sind, oder mein Arsch zu dick? Pffff! Nach der Stunde fühlte ich mich jedenfalls um Längen besser. Na bitte, move your ass!

Freitag | Probetraining

Zum Glück hatte ich mir von einem Probetraining eh nicht so viel erwartet. Bisschen frustriert war ich aber schon, denn hinterher spürte ich zwar, dass meine Muskulatur gearbeitet hatte, aber natürlich längst nicht in dem Ausmaß wie bei meinem Homegym-Training. Klar, viel Zugucken, zeigen und erklären lassen … die Zeit verging im Nu und es gibt keinen Grund zur Klage. Weiteren Termin vereinbart, nächsten Montag um 10 Uhr: Gespräch mit dem Trainer, Ziele ermitteln, Trainingsplan für die nächsten Wochen erstellen, mir die entsprechenden Geräte erklären lassen.

Herjee, bis dahin immer noch dieses unerwünschte Schonprogramm. Dazu die Gewichtszunahme während der Speedweek … Der Blick in den Spiegel und die Erkenntnis: meine bisher erreichte Topform ist endgültig dahin. Und auch an diesem Tag hatte ich nichts dafür getan, das Schwinden aufzuhalten  …

Eine dieser unbeabsichtigt ausgelösten Aufnahmen – da muss ich mir gerade den Sand von der Hose gewedelt haben. Die erstarrte Momentaufnahme aber scheint zu zeigen, dass ich ein Zeichen gebe. Genau das gefällt mir an diesem Zufallsbild.

Samstag

Ausruhen, einfach … nur … ausruhen … Platt wie eine Flunder. Ende der Speedweek und dann das: zum gemütlichen Samstagsfrühstück ein ganz normaler Hunger. Kein bisschen ausgehungert, gar nicht diese Freude auf ein leckeres Brötchen. Das allein wäre ja fein, nur … was sagt denn die Waage zum Ende der Speedweek? Nochmal zugenommen! Und um so richtig zu klotzen: Jahreshöchstgewicht! Boah, wenn das mal nicht zum Kotzen ist! So dachte ich kühl, ohne Gefühl. Merkwürdig nämlich: tatsächlich hat mich das kein bisschen berührt. Es war mir völlig gleich. Pff, na und? Eben. Was solls.

Sonntag | Nüchternlauf

Nüchternlauf vor dem Frühstück am Mittag. Irgendwas zwischen 10 und 11 km. Zeit: 01:04:11 – Pace: weiß der Geier. Wunderbarer Lauf, kaum anstrengend. Ein Genuss. Hinterher ein wunderbares Wohlgefühl, das noch eine Weile anhielt.

  • Radfahren: 15.56 km

Afsluit

Texel –> Bremen –> Worpswede

Am Samstag nahmen wir eine frühe Fähre, die uns von Texel nach Den Helder brachte. Da unser nächstes Ziel östlich lag, führte unsere Route über den Afsluitdijk, der Nordholland und Friesland verbindet.

Während der Fahrt überflutete mich mein Mann mit Informationen zum Abschlussdeich. Vor lauter Staunen und Gucken konnte ich mir kaum etwas davon merken. Aber das macht gar nichts, denn Talianna war ebenfalls dort und hat einen informativen Beitrag dazu verfasst; Bilder inklusive. Kommen Sie und staunen Sie: Afsluitdijk

Unser erstes Ziel war Bremen, ich wollte noch ein Mitbringsel für die Enkelkinder besorgen. Danach schnell Einchecken in unser Unterkunft (eigene Geschichte, abgehakt) für eine Nacht. Das war einer der möglichen Schlafräume:

Anschließend dann das erste größere Treffen mit einem Teil der Herkunfsfamilie, meinem Sohn und Enkelkinder. So schön es ist, wenn viele beisammen sind – alle einzeln könnte ich gar nicht besuchen – aber es überfordert mich auch total. Schließlich möchte ich allen zuhören, möchte Fragen stellen, vielleicht auch mal was sagen. Meine Aufmerksamkeit läuft auf Hochtouren, während ich das Gefühl des Versagens habe, weil ich eben nicht allen gleichzeitig folgen kann. Eigentlich auch niemandem gerecht werde, und mich letztlich mit niemandem wirklich unterhalten konnte. Ich war, als ich im Bett lag, unglaublich erschöpft und es ging mir nicht gut.

Sonntag

Immerhin hatte ich, trotz des strengen Geruchs, gut durchgeschlafen.

Ich war bereit für den Sonntag mit weiteren Begegnungen; beispielsweise mit meinen Schwestern. Im Tagesverlauf bemerkte ich, dass mein Akku extrem schnell leerlief, mich graue Traurigkeit erfasste und ein erstes Dunkel streifte. Nicht nur, weil mir die Bewegung zum Ausgleich fehlte – andere Geschichte, die ich nicht ausrollen werde, weil zu komplex.

Am Abend ging es ohne Aufenthalt heimwärts. Dreihundert Kilometer fuhr ich, den Rest mein Mann. Klar, immer wieder Baustellen. Und doch lief es echt zügig und reibungslos wie nur selten.

Der nächste Blogeintrag wird die erste Woche daheim zusammenfassen – Sportliches, Körperliches, …. Eine düstere Woche. Mal sehen, vielleicht schiebe ich auch einfach noch einen Traum dazwischen.

Stürmisches Date mit Aphrodite

Sport am Freitag | Letzter Tag auf Texel

Vor einem Monat schrieb ich, Aphrodite sei ein tolles Workout auf Reisen. Vor allem in der Theorie so herrlich unanstrengend.  So ist das, wenn man laut rumtönt. Lass den Worten Taten folgen!

Am Montag hatte ich das in der Ferienwohnung umgesetzt. Insgesamt bringt das Workout 150 Sprünge nach oben und 150 Sprünge in die Push Up Position mit sich; da wäre es schon gut zu wissen, ob die Ferienwohnung unter einem eventuell belegt ist, ehe man spätabends … Klar, ich springe schon meinen Gelenken zuliebe federnd und leise, aber irgendwie hemmt es mich doch ein wenig.

So kam ich auf die Idee, das Workout abends am Strand zu absolvieren. Mein Mann hatte sogar zugesagt, mich zu begleiten. Er wollte sich dazu setzen und etwas Traumarbeit machen oder meditieren. Toll, da freute ich mich schon richtig drauf.

Am frühen Abend zog ich also meine Laufschuhe an und machte einen 20minütigen Lauf bis zum ausgewählten Strandbereich. Mein Mann nahm das Leihfahrrad. Am Strand ging ein unerwartet heftiger Wind, der den feinen Sand mit sich riss. Erst dachte ich „oha!“, aber dann kam ich drauf, dass das sicher angenehm sei, bei so einem schweißtreibenden Workout.

Die ausgewählte Trainingsfläche. Der Boden war hier relativ fest. So dachte ich.

Also los! Mit dem Rücken zum Wind – er trieb einem sonst den Sand in die Augen – hatte ich mich in Startposition gestellt. Den Nachteil stellte ich umgehend in der Push Up Position fest, denn wenn man den Kopf vorbildlich in Verlängerung der Wirbelsäule hält, weisen die Nasenlöcher wohin? Genau! Der Wind blies mir den Sand direkt in die Nase und als es anstrengender wurde, ich mit offenem Mund schnaufte, dazu noch in den Mund, zwischen die Zähne … *knirsch* Aber herrlich, ich schwitzte kein bisschen! Der Wind brauste in den Ohren und es war einfach nur fantastisch. Anfangs.

Haha, meine Haare wehten nicht im Wind, sondern der Sand in Verbindung mit der feuchten Salzluft hatte sie sturmfest in eben diese Position gebracht. Das steife Haarbündel schien rasch schwerer und schwerer zu werden. Der Sand kribbelte auf der Kopfhaut. Ein Erlebnis!

Wie auf obigem Bild zu erkennen, war es bald nötig, die Trainingsfläche zu verlegen. Dank der Dynamik wühlten sich Hände und Füße doch sehr rasch in den Boden. Außerdem waren die Sprünge auch viel anstrengender, da der Sand immer nachgab, die halbe Kraft darin versandete.

Nach 30 Push Up Burpees sah das so aus. Nebenbei sieht man am Schatten auch sehr schön, wie perfekt meine „Frisur“ hält

Nach 50 Wiederholungen machte ich schnell die 50 Air Squats und ging dann zu meinem Mann, um bei ihm die Füße für 50 Frog Situps einzuklemmen. Dann auf zu 40 Pushup Burpees. Der Wind nahm stetig zu, ich machte mir langsam Sorgen um meine Ohren, in die der Sand auch drängte.

Es wurde echt mühsam, meine Beine rasch müde. Man sieht, die Ausführung ist auch nicht mehr ganz optimal.

Nach dem 2. Satz mit je 40 Wiederholungen wurde mir das mit dem Wind echt zu viel. Ich konnte die Augen kaum noch offen halten und …

Die Frisur sitzt!

musste immer rascher die Trainingsfläche wechseln. Mein Mann war ganz froh, dass ich mein Trainingslager mehr in den geschützten Dünenbereich verlagern wollte, da der Wind doch heftig an seinem wertvollen Traumnotizbuch riss.

Unten, neben der Gabelung, zog ich die restlichen Sätze durch.

Nach dem Gebraus war das wirklich wohltuend, windgeschützt die Übungen auszuführen. Wenngleich mir dort rasch warm wurde. Aber da hatte ich die höchsten Wiederholungszahlen ja eh hinter mir.

Anschließend wollte ich den Weg zur Ferienwohnung auch wieder laufend zurücklegen. Bis zum Fietspad lief ich auch recht schwungvoll, dann aber machten schlagartig beide Waden dicht. Zack, peng, aus! Steinhart, stahlhart, nichts zu machen. Aphrodite im Sand hatte alles rausgesogen! Mir war es egal. Ich war so geflasht von dem tollen Trainingserlebnis, dass ich beschwingten Spazierschrittes den Weg fortsetzte und einfach nur glücklich war. Mein Mann brachte das Fahrrad noch zurück zum Verleih, wir trafen danach alle wieder in der Ferienwohnung zusammen. Koffer packen.

Texel | Vom Weg abgekommen

Freitag, 28. Juli 2017

Der letzte Tag. Unser Ziel war der südlichste Teil der Insel. Die Autoroute zum dortigen Wanderparkplatz führte nahe der weißen Kirche von Den Hoorn vorbei, die wir uns gerne ansehen wollten. Allerdings war die Kirche an diesem Tag nicht von  Schafen auf einer grünen Wiese umgeben sondern:

Wenn ich das im Vorbeifahren richtig gelesen und verstanden hatte, fand dort an diesem Tag eine Landwirtschaftsausstellung statt. Fluchtartig verließen wir dieses Gebiet.

So konnten wir etwas früher unseren Rundweg starten – auch gut! Als ich die Angaben auf dem  Schild entdecke,  war ich etwas enttäuscht:

Waaas, keine vier Kilometer? Da lohnt ja gar nicht das Aussteigen! Wäre ich mal nicht so langstreckengierig gewesen …

Wir waren eindeutig zu weit gegangen!

Da standen wir … Erstens hatte ich auf dem letzten Wegweiser nur noch eine gelbe, aber keine blaue Markierung mehr gesehen. Zweitens war nicht eindeutig zu erkennen gewesen, in welche Richtung der Wegweiser tatsächlich zeigen sollte. Wir gingen gen Süden weiter, um bis zum Wasser zu kommen. Uiui, je näher wir kamen, um so ferner schien es zu sein. Zwischendurch mal ein Blick nach links – könnte ja sein, ein Wegweiser … – aber nein.

Kein Problem, irgendwo im Dünengrün musste der Einstieg hin zum „blauen Weg“ ja mal kommen; so in etwa ein oder zwei Kilometern. Leute, haltet die Augen offen! Irgendwann bemerkten wir in der Ferne ein Schild. Yay, das ist bestimmt der Wanderweg! Ich rannte (na ja, wie man so im weichen Sand „rennt“) vor, um die Informationen zu schnappen. Wäre der Weg falsch, hätte immerhin nur ich einen Umweg gemacht.

Blechschild ohne Hinweis

Nochmals hatte ich Maps Me geöffnet; wenn es den eingezeichneten Weg tatsächlich geben sollte, müssten wir ihn nur noch entdecken. Auf den nächsten siebenhundert Metern …

Hah! Hier entlang!

Genau, und schon bald konnten wir einen der Seen sehen, der nahe dem Parkplatz gelegen ist. Dann ging es fast zu schnell, der Parkplatz musste uns entgegen gewandert sein.

Witzig: als wir dort ankommen, steigt eine Frau aus einem Auto, die wir sofort wiedererkennen! Sie hatte uns auf der Hinfahrt nach Texel in Den Helder, kurz vor dem Fährhafen, bedrängelt und beim Überholen geschnitten, um die in einer Minute ablegende Fähre doch noch zu bekommen. Dummerweise war sie so ungünstig an den Schalter gefahren, dass sie zum Bezahlen aussteigen musste. Das Geld hatte sie dann auch noch im Fahrzeug liegen lassen und …

Ja, es ist einfach herrlich zuzuschauen, wie die Fähre langsam Fahrt gewinnt und man noch eine halbe Stunde Zeit hat, das alles in Ruhe auf sich wirken zu lassen, den weichen Wind in den Haaren zu spüren. Wir konnten unser Auto so günstig einreihen, dass ich meine Füße auf die Vorderreifen stellen und mich gleichzeitig mit den Händen auf einem Geländer abstützen konnte, um so Trizeps Dips zu machen. Vier Sätze kamen zusammen — während die Sonne mein Gesicht wärmte, begann es heftig im Trizeps zu brennen. Die gefühlt schönsten (Mini-)Workouts macht man offenbar an unüblichen Plätzen?! Die Dränglerin rauchte derweil aufgeregt, mit leicht erhobenem Kinn; ihre grauen Haare, die sie knapp hinter dem Scheitelpunkt zu einem Kurzhaarpinsel gebunden hatte, sahen wie ein erstarrter Minispringbrunnen aus.

Und eben diesen Kurzhaarpinsel sahen wir aus einer sich öffnenden Fahrzeugtür auftauchen, als wir den Wanderparkplatz erreichten. Sie drehte sich dann erst mal eine Zigarette. Mist, so cool wäre ich auch gerne mal drauf!

Sport und Bewegung auf der Reise | Donnerstag

Donnerstag, 27. Juli 2017 | Laufen

Sozusagen als Warm Up vor dem abendlichen Lauf zog es vor allem mich — und damit hatte ich meinen Mann verblüffen können — in ein Museum. Bereits am Ankunftstag hatte ich bei einer ersten Inselerkundung diesen Aufkleber an einem Strandparkplatz entdeckt:

Schiffbruch- und Strandräubermuseum Flora | Schild mit Aufkleber entdeckt in De Koog, Strandslag Paal 17 Ecomare

Zack, und schon sind wir da: Die Ausstellungsstücke haben mich in ihrer Vielfalt geradezu erschlagen. Das Holzschild entdeckte ich ersr am Ende des Besuchs.

im Schipbreuk- en Juttersmuseum Flora

Wow … das war vielleicht ein Ort. Ich werde sicherlich noch Gelegenheit finden, einige Aufnahmen von dort im Blog unterzubringen. Nicht jetzt, nicht alle auf einmal — von wegen Diaabend und so …

Das zweite Ziel des Tages war De Cocksdorp und der nördliche Leuchtturm der Insel. Dort ging ein richtig kräftiger Wind.

Wir sparten den Eintritt und verzichteten auf den Ausblick aus dem Leuchtturm. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass ich später in einem Traum dort oben sitzen und auf den hier fotografierten Weg herabblicken würde. Überhaupt sollte De Cocksdorp noch zu einem fragwürdigen Traumort werden.

Der Strand dort ist sehr weitläufig. Wir gingen diesen am Rand der Dünen entlang, wollten zu einem Aussichtspunkt marschieren. Doch dreihundert Meter vor dem Ziel war alles abgesperrt. Da wir nichts zertrampeln und der Natur ihren Lauf lassen wollten, setzten wir uns auch nicht über das Verbot hinweg. Unsere Tochter hätte uns wohl auch gelyncht.

Sport am Abend

Auf den Lauf hatte ich mich schon sehr gefreut. Der Akku meiner Laufuhr war völlig leer, und ich nahm es als Zeichen. Einfach eine Stunde Laufen — zum Meer — ohne Zeitnahme, nur genießen. Wunderbar!

Strandslag Paal 19,5, De Koog, Texel, Niederlande

Fast am gleichen Ort, jedoch ohne Gegenlicht aufgenommen:

Sport und Bewegung auf der Reise | Mittwoch

Seit einer Woche schon von der Reise zurück und musste ich direkt nachlesen, bis zu welchem Urlaubstag ich meine sportlichen Aktivitäten überhaupt schon erfasst habe. Okay, am Montag absolvierte ich das Workout Aphrodite in der Ferienwohnung, am Dienstag war ich Laufen.

Mittwoch, 26. Juli 2017

An diesem Tag erkundeten wir Texel mit geliehenen Fahrrädern.

Oude Dijkje 41A, De Koog, Texel, Niederlande

Dank dem Radknotensystem auf Texel kann man sich einfach aufs Fahrrad schwingen und losfahren, ohne verloren zu gehen. Uns ist es dennoch gelungen falsch abzubiegen. 🤓

Laagwaalderweg 49, De Waal, Texel, Niederlande

Wie nennen sich diese Gebäude, die nicht zu den Sehenswürdigkeiten zählen? Sehensunwürdigkeiten? Nein nein!

Ijzeren Kaap (Rijksmonument) – Leuchtfeuer aus dem Jahr 1854 bei Oosterend, Lancasterdijk

Es war hier fast märchenhaft: von einem anderem Blickwinkel aus schien die Sonne derart auf die Tafel am Fuß der Konstruktion, dass das Licht reflektierte und ich im ersten Augenblick meinte, dort müsse eine offene Schatztruhe voller Gold, Silber und Edelsteinen stehen, denn es funkelte wie verrückt. ✨

Lancasterdijk, Oosterend, Texel, Niederlande

Die Fahrt an diesem Deich entlang habe ich echt genossen. So viel Klarheit, so wenig Ablenkung.

Zurück ging es dann bei kräftigem Wind von vorn und der Seite.  Zwei Fahrräder gaben wir am Ende des Ausflugs zurück, eines behielten wir für zwei weitere Tage, um unser Auto stehen lassen zu können, falls mal eine Kleinigkeit eingekauft werden musste  An diesem Tag fuhr ich noch einmal alleine los, um andere Wege zu erkunden und um meinen Bewegungshunger zu stillen. Meine Lieben wollten gerne chillen. Alle glücklich, was will man mehr.

Amsterdam

Brücke im Vondelpark - Amsterdam
Ein Blick in die Bildergalerie meines Smartphones machte leider jede Hoffnung zunichte. Tatsächlich, hier waren wir vor einer halben Stunde schon einmal.

Nach einer kurzen Nacht, die keinen Schlaf brachte, fuhren wir nach Amsterdam. Dort waren wir den ganzen Tag bis in den Abend hinein auf den Beinen, um möglichst viel Eindrücke mitzunehmen. Wie müde wir wirklich waren,  stellte sich bereits frühnachmittags im Vondelpark heraus: wir waren eine längere Strecke im Kreis gegangen, ohne dies zu bemerken. Anfangs wollten wir das gar nicht so recht glauben.

Das war der Tag in Amsterdam: heftige Regengüsse … Fahrten in überfüllten Straßenbahnen und freundliche Menschen, denen man eben wirklich nahe kommen konnte.  Als wir schließlich wieder im Hotelzimmer waren, konnten wir uns vor Müdigkeit kaum noch aufrecht halten. Endlich schlafen.

Ich fiel in einen merkwürdig anstrengenden Schlaf, träumte von Natascha Ungeheuer und Johannes Schenk, wurde wach, schrieb die Traumnotizen und schlief direkt wieder ein.

Nach – gefühlt – nur wenigen Minuten, wurde ich von einem Geräusch geweckt…

Das typische gedämpfte Klackklack an der Zimmertür, wenn diese mit der Keycard geöffnet wird. Aber das konnte ja nicht sein. Reglos lag ich im Bett und schaute verblüfft zu, wie ein immer breiter werdender Lichtspalt durch die Tür ins Zimmer fiel. Das Gefühl, jemand schaut ins Zimmer herein und einen Moment später geht die Tür laaaangsam wieder zu. Das war fast nicht zu glauben. War das wirklich geschehen? Doch auch mein Mann raschelte mit dem Bettzeug, dann abrupte Stille, so als horche er.

Ich: „Wie spät?“

Er, gleichmütig: „2:15 Uhr.“

Damit steht er auf und verschwindet im Bad. Na gut, warum auch nicht. Wahrscheinlich hält er mich für hysterisch, wenn ich seine Seelenruhe nicht teilen kann. Sage ich mal lieber nichts. Mein Gefühl aber sagt mir: hier stimmt was nicht.

Eerste Bloemdwarsstraat, Amsterdam

Nachdenklich starre ich ins Dunkel. Inzwischen kehrt er ins Bett zurück, knufft die Decke zurecht und bald wird sein Atem ruhiger … Hat er echt nichts weiter dazu zu sagen? Hmm … Er wird es nicht mögen, wenn ich ihn beim Einschlafen störe, aber …

Ich, kühl und gelassen: „Was war das??“

Er, tiefenentspannt: „Zimmermädchen“ und, mehr nuschelnd: „Putzfrau …“

Ich, zweifelnd: „Mitten in der Nacht?

Er, mit schlafschwerer Zunge: „… villch … Schbädschich …“

Wie jetzt, der schläft echt einfach weiter?!? Spätschicht … mitten in der Nacht die Zimmer staubsaugen?

Ich, mit gebotener Vorsicht sprechend: „Gehst du mal gucken?“

Er: „…“

Ich, sanft aber hartnäckig: „Ich habe Angst.“

Noch während ich es auspreche, spüre ich irritiert: ich habe nicht wirklich Angst, sondern glaube nur, diese sei jetzt angemessen.

Er: „…“

Seine Decke raschelt, er tapst zur Tür, öffnet sie, steckt den Kopf in den Hotelflur, scheint dabei die Tür nah an sich zu ziehen, denn ich höre ihn leise sprechen, ahne aber mehr, dass jemand antwortet, als dass ich es höre.

Die Tür geht wieder zu, *taps taps*, ein Gewicht fällt neben mir auf die Matratze und spricht:

„Sag ich ja, Zimmermädchen.“

Damit dreht er sich auf die Seite und scheint direkt weiterzuschlafen.

Aber …! Das ist doch sehr sonderbar … mitten in der Nacht. Hmm … vorhin, als ich zur Toilette war, schien es mir bereits später zu sein als in diesem Augenblick. Vielleicht war es einfach diese schwere Müdigkeit, die mir vorgaukelte, die Schlafzeit schwinde viel zu schnell dahin. Ich muss mich trotzdem vergewissern:

„Ist es wirklich 2:15 Uhr?“

Genervt aufstöhnend, wälzt er sich zurück auf die andere Seite, greift seine Uhr … , … und:

„Ja, es ist 2:15 Uhr.“

Hmmm … hmm … ohne mein Dazutun rollt eine Frage auf meine Zunge. Ich kann nicht anders, als sie zu stellen, auch wenn ich fürchte, damit seinen Geduldsfaden endgültig zu überspannen:

„Und jetzt? … Immer noch?“

Er, ziemlich gereizt: „Jaa ha!!“

Plötzlich schießt er im Bett hoch, wirft die Decke in hohem Bogen von sich und flucht:

„Scheiße!! Meine Uhr ist stehengeblieben! Wir müssen raus, ist schon nach neun!!“