Megamarsch Frankfurt | Das erste Drittel der Strecke

Im April hatte ich den Streckenverlauf der Megamarschroute näher betrachtet, und kam dabei auf die Idee, meine längeren Wanderungen auf diese Strecke zu legen. Da der Marsch im Oktober stattfindet, und die Startzeit zwischen 16 und 17 Uhr liegt, ist ganz klar, dass ein guter Teil der Strecke im Dunkeln gewandert wird. Da würde ich nichts von der Umgebung zu sehen bekommen. So packte ich meinen Rucksack …

16. April 2019

Ich stieg am heimischen Bahnhof in die S1, fuhr bis Frankfurt, stieg dort in die S3 um, fuhr bis Eschborn-Süd, dem Startpunkt meiner Wanderung. Bereits beim Aussteigen konnte ich mich orientieren, eine kleine Brücke führte hinüber: zur Fläche, wo der Megamarsch im Oktober starten wird.

Ich könnte nicht sagen, warum, aber die Sache mit der Brücke gefiel mir.
Dann lag auch schon das Startfeld vor mir

Kurz kamen hier Erinnerungsfetzen früherer sportlicher Veranstaltungen auf … der Lärm, dieser Trubel, dazu die eigene vage Unruhe, schließlich das Gedränge der Teilnehmer beim Start. Ich atmete tief ein und aus, schüttelte die Erinnerungen ab, genoß nun doppelt die herrliche Ruhe an diesem Ort. Nachdem dieser grüne Platz überquert war, ging es eine Weile durch die Straßen Eschborns.

KM 2 | Soraya war mit ihren Gedanken sichtlich woanders. Mein „Hallo“ erwiderte sie nicht.
KM 3 | Als ich das „Städtische“ hinter mir ließ, atmete ich auf., auch wenn es noch neben einer vielbefahrenen Sraße entlang ging. Das Bild zeigt den Blick nach rechts – dorthin würde mich die Wanderung führen.

Das Grün-Blau auf obigem Foto sehe ich als charakteristisch für diese Wanderung, auch wenn der Weg natürlich auch andere Ansichten bot. Gerade als ich mich fragte, wo/ wie geht es weiter, erblickte ich die Antwort:

Immer der Nase nach … Ja, tatsächlich!

Fast die gesamten ersten 33 km führen über asphaltierten oder befestigten Untergrund. Ich trug meine ausgemusterten „Halbmarathon-Laufschuhe“ und war echt zufrieden mit meiner Wahl. Meine Füße kommen damit besser zurecht, als mit den Allround-Wanderhalbschuhen, die ich zuvor auf einer anderen längeren Strecke ausprobiert hatte.

KM 14 | Die lange Meile – hier querte einst die Straße von Heddernheim zur Saalburg den Tauengraben.

Der Rhythmus der Schritte, die langen geraden Wege, die Fernsichten, der fast wolkenfreie Himmel … ich muss mich darin verloren haben, wie aufgelöst … bis mir einfiel, dass ich bei etwa KM 20 eine Pause machen wollte. Hier noch nicht:

KM 18 | Wasserwerk Obereschbach

Was mir hier zum ersten Mal passierte, habe ich inzwischen noch ein paar Mal erlebt: Ich fotografiere etwas, und schlage danach den falschen Weg ein.

KM 19 | Irgendwie sah hier aber auch alles gleich aus, grob betrachtet. Grün, Blau und Mist.

Meinen Pausenplatz stellte ich mir etwas anders vor, also ging ich weiter …

KM 22 | … und überquerte die A5.

Bald darauf erspähte ich meinen Platz an der Sonne:

KM 22 | Eigentlich kaum zu glauben, aber bis dahin hatte ich noch nie auf einem dieser Sitzkiesel gesessen, schon gar nicht Rast gemacht.

Der Akku meines Smartphone hatte zwar noch 40% Ladung, aber ich steckte trotzdem schon die Powerbank dran, um deswegen nicht schon bald wieder stoppen zu müssen. An diesem Tag hatte ich das Wasser zum ersten Mal in einer Trinkblase im Rucksack (plus einem weiteren Liter in einer Flasche). Bisher habe ich immer zu wenig getrunken, weil ich ohne Absetzen des Rucksackes nicht an die Flaschen kam, mich das Absetzen aber total nervt.

Nach zwanzig Minuten Pause – gefühlt waren es nur zehn – machte ich mich wieder auf den Weg und erreichte direkt den Erlenbach. Auch wenn es noch nicht so warm an diesem Apriltag war, so genoss ich nach all der Sonne diesen schattigen und idyllischen Abschnitt.

KM 22 | Der Erlenbach – über die Brücke gehen oder durch das kühle Wasser waten?

Zwei Ecken weiter einige Wächter mit Aussicht:

Ich überlegte, was solch ein Prunk hier in der Idylle wohl zu bedeuten hat, aber kam nicht drauf.

Eine Recherche hat ergeben, dass sich hinter der hohen Mauer ein exklusiver FKK Club mit großem Sonnengelände erstreckt. Darauf wäre ich nicht gekommen. Das erklärt aber die beiden noblen Fahrzeuge, die dort gerade ankamen, als ich fotografierend den Platz verbaute.

KM 24 | Wenig Ablenkung für das Auge

Ich hatte gelesen, dass einige an der Veranstalung Interessierte beklagen, die Frankfurter Megamarsch-Strecke sei so unattraktiv. Die teils langen und gerade verlaufenden Abschnitte über Asphalt, nur der Himmel und die Erde … ich verlor und vergaß mich … Tauchte ich zwischendrin wieder in meinem Körper, in mir wieder auf, so fand ich mich völlig entspannt. Dieses stille Glück … gerade hier, wo nichts zu finden war, fand ich das, was sich so schwer suchen ließe.

Ja, diese Weite …. Kilometer um Kilometer …. Die Trinkblase leert sich, die andere Blase füllt sich. Den einzigen Sichtschutz boten oftmals nur Misthaufen. Denn fühlt man sich allein auf weiter Flur und denkt bei sich, hocke dich mit dem blanken Po in die freie Natur, dann …

KM 24

Irgendwann während der Wanderung kam ich zu der Einsicht, dass ich unbedingt im Stehen Pinkeln lernen muss. Natürlich kann ich das! Aber eben nicht, ohne mich einzusauen.

KM 28 | Anglerhütte am Silbersee

Interessant in Anbetracht der Tatsache, dass dieser Teil des Megamarsches während der Nacht absolviert wird, finde ich den in der Route vorgegebenen Weg, der zwischen den beiden Silberseen links und dem Graben rechts (verborgen im Grün) verläuft. Nach all den befestigten und breiten Wegen kommt man ins Grübeln, ob man noch richtig ist.

Aber es sind ja Stirnlampen Pflicht. Bitte nicht schubsen!

Zumal „Hauptweg“ nur wenige Schritte entfernt auch am Sees entlang führt. Ob es ein Versehen ist, dass die Strecke auf dieser Seite des Sees eingezeichnet ist? Der Veranstalter behält sich jedoch eh vor, die Streckenverlauf bis zwei Wochen vor der Veranstaltung noch zu ändern.

KM 30 | Ist das ein Ding? Da hängt ja noch das Schild vom letzten Megamarsch?

So schnell geht dann mit einem Male die Wanderung dem Ende entgegen. Okay, meine Füße und Beine spürte ich hier schon deutlich. Inzwischen war ich sechs Stunden unterwegs.

KM 32 | Die Nidda bei Groß-Karben

Das letzte Stück der Strecke, an der Nidda, vor dem Bahnhof war wegen einer kleinen Baustelle nicht passierbar. Die ist im Oktober sicherlich nicht mehr da. Mit Überraschungen sollte man auf den insgesamt 100 km wohl dennoch doch rechnen.

Na gut, so wie es aussieht, werde ich wohl nur 40 km schaffen, wenngleich ich inzwischen mit 60 km liebäugele. Wäre doch toll, für jedes Lebensjahr einen Kilometer zu gehen. Die anderen zwei Kilometer bis zur 60 sind dann einfach Bonus. Lebensfreude. Oder so. Oder wie?

Nach 33,5 km am Bahnhof in Groß-Karben angekommen, hatte ich sogar Glück: Die S6 wartete bereits, ich schaffte noch, eine Karte am Automaten zu ziehen und schon ging es zurück nach Frankfurt.

An der Strecke kurz hinter Groß Karben – aus der S-Bahn heraus fotografiert

An der Taunusanlage war dann nur noch in die S1 umzusteigen und schon ging es heimwärts.

Diese Wanderung hatte mir total gut gefallen! Am nächsten Tag juckte es schon in den Füßen,, das zweite Drittel anzugehen.

Streckenverlauf: Nach dem Draufklicken auf der Seite nach unten scrollen. Anmelden nicht zwingend erforderlich.