Fiese Köche in De Cocksdorp

Folgenden Traum hatte ich während des Urlaubs, kurz vor dem Start der vierten Speedweek.

Texel, 29. Juli 2017

Ich halte mich am Rande eines Speisesaals in De Cocksdorp auf. Die drei Köche hinter dem Tresen bemerke ich erst, als ich höre, wie sie sich hinter meinem Rücken über mich lustig machen. Einer weist mit dem Zeigefinger auf mich und ruft voller Schadenfreude:

„Muhahaha, du bist ja immer noch dick!! Hahaha, du glaubst wirklich, auch nur 200 g abgenommen zu haben?! Kein bisschen!“

Die Köche halten sich die Bäuche vor Lachen, kriegen sich kaum mehr ein.

Szenenwechsel. Ich stehe in einem kleinen Raum neben dem Speisesaal. Ein paar Schneiderinnen wuseln um mich herum, haben mich offenbar in neue, vor allem weite Kleidung gesteckt. Ich trage einen längeren geraden Rock, dazu eine gerade geschnittene Bluse, die weit über dem Rockbund schlabbert. Alles fließende Stoffe, die dank ihrer großzügigen Weite meine dicken Speckrollen kaschieren sollen. Ich sehe mich selbst, von den Schultern abwärts … Die Kleidung ist unmöglich! Eine Schneiderin wendet ein, dass man als alternde Frau zusätzlich eine weit fallende Weste aus blusigem Stoff über diesem lockeren Ensemble tragen müsse, um so etwaige, immer  noch sichtbare Speckrollenandeutungen zu kaschieren.

So weit ist es jetzt also gekommen, dass ich so unsägliche Kleidungsstücke tragen soll? Ich blicke zum Kleiderständer, um dort vielleicht Tragbareres zu entdecken. Da höre ich hinter meinem Rücken die drei Köche tuscheln. Einer meint zu den anderen:

„Kommt, wir geben ihr ein Kleidungsstück in Größe XS, aber aus der Dickenabteilung, damit sie auch reinpasst. Dann merkt sie nicht, wie fett sie wirklich ist und nervt hier nicht noch länger rum.“

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Sport und Bewegung auf der Reise | Donnerstag

Donnerstag, 27. Juli 2017 | Laufen

Sozusagen als Warm Up vor dem abendlichen Lauf zog es vor allem mich — und damit hatte ich meinen Mann verblüffen können — in ein Museum. Bereits am Ankunftstag hatte ich bei einer ersten Inselerkundung diesen Aufkleber an einem Strandparkplatz entdeckt:

Schiffbruch- und Strandräubermuseum Flora | Schild mit Aufkleber entdeckt in De Koog, Strandslag Paal 17 Ecomare

Zack, und schon sind wir da: Die Ausstellungsstücke haben mich in ihrer Vielfalt geradezu erschlagen. Das Holzschild entdeckte ich ersr am Ende des Besuchs.

im Schipbreuk- en Juttersmuseum Flora

Wow … das war vielleicht ein Ort. Ich werde sicherlich noch Gelegenheit finden, einige Aufnahmen von dort im Blog unterzubringen. Nicht jetzt, nicht alle auf einmal — von wegen Diaabend und so …

Das zweite Ziel des Tages war De Cocksdorp und der nördliche Leuchtturm der Insel. Dort ging ein richtig kräftiger Wind.

Wir sparten den Eintritt und verzichteten auf den Ausblick aus dem Leuchtturm. Zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass ich später in einem Traum dort oben sitzen und auf den hier fotografierten Weg herabblicken würde. Überhaupt sollte De Cocksdorp noch zu einem fragwürdigen Traumort werden.

Der Strand dort ist sehr weitläufig. Wir gingen diesen am Rand der Dünen entlang, wollten zu einem Aussichtspunkt marschieren. Doch dreihundert Meter vor dem Ziel war alles abgesperrt. Da wir nichts zertrampeln und der Natur ihren Lauf lassen wollten, setzten wir uns auch nicht über das Verbot hinweg. Unsere Tochter hätte uns wohl auch gelyncht.

Sport am Abend

Auf den Lauf hatte ich mich schon sehr gefreut. Der Akku meiner Laufuhr war völlig leer, und ich nahm es als Zeichen. Einfach eine Stunde Laufen — zum Meer — ohne Zeitnahme, nur genießen. Wunderbar!

Strandslag Paal 19,5, De Koog, Texel, Niederlande

Fast am gleichen Ort, jedoch ohne Gegenlicht aufgenommen:

Ungeheuer kühler Kopf

Inzwischen hatte ich schon wieder vergessen, dass ich mit dem Beitrag Komme nicht mehr hinterher quasi schon beim Mittwoch vergangener Woche angekommen war, zumindest hier im Blog. Dennoch ein kleiner Blick zurück, denn ich habe einen Traum aus Amsterdam mitgebracht. Als ich gerade die Aufnahmen aus Amsterdam überschaute (ob vielleicht eine passende für den Traum dabei wäre), fiel mir dieses ins Auge:

Die Aufnahme entstand im Vondelpark in Amsterdam. Erst jetzt fiel mir auf, dass dieser Aufkleber womöglich den Traum ausgelöst haben könnte. Die Scheren weisen auf die Nähstube hin, die Beine auf Nataschas Waden, dazu das Schwarz-Weiß. Bemerkenswert, denn meist träume ich ja farbig.

Amsterdam – Traum vom 24. Juli 2017

Etwas treibt mich durch eine längst verschneite Nacht … es trägt mich sauseschnell zu einem Acker hin. Ein geisterhafter Ort, der wie in einer leblosen Parallelzeit erstarrt scheint. Plötzlich aber doch zwei Quertreiber; sie sind in schwarze Kleidung gehüllt, ziehen einen Holzkarren mit sich. Als sie vor mir das Acker queren, erkenne ich sie: Hey hey! Das sind ja Natascha Ungeheuer und Johannes Schenk? Die habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen!

Natascha muss mir etwas zugerufen haben, denn für einen Augenblick spüre ich den festen Blick ihrer mit schwarzem Kajal umkränzten Augen, ehe sie den Weg fortsetzen.

Ich eile den beiden hinterher und sage zu Natascha: „Ich habe dich leider nicht verstanden.“

Sie wiederholt ihre Frage mit kühlem Ernst: „Ich wollte wissen, welche Ursachen dein kühler Kopf haben könnte!“

Ich antworte nachdenklich: „Dazu kann ich mehr sagen …“

Misstrauisch hakt sie nach: „Ich dachte, du hättest mir absichtlich nicht geantwortet …“

„Nein nein“, erkläre ich erschrocken, „ich habe diese Krankheit auch, die zu einem kühlen Kopf führt.“

Ohne ein weiteres Wort zu wechseln, ziehen wir drei uns gemeinsam ins unbewohnte Haus meiner Großeltern zurück. Wir durchqueren es zielstrebig und begeben uns in die Nähstube. Ich beginne damit, Nataschas langen schwarzen Haare mehrfach zu scheiteln, um ihre Kopfhaut sorgfältig zu untersuchen. Johannes studiert währenddessen neugierig mein Gesicht, so als sei ich ein fremdartiges Wesen, das ein rätselhaftes Verhalten zeigt.

Szenenwechsel. Bereits seit einigen Minuten schon stehe ich in einem kleinen Raum vor der Nähstube. Gemeinsam mit einem unbekannten Mann warte ich darauf, dass diese Sache weitergeht. Ich glaube, mir fröstelt … Jedenfalls spüre ich eine erstaunliche Wärme vom Shirt des Mannes ausgehen. Es ist ein häufig gewaschenes Shirt mit etwas Grauschleier. Mag sein, er trägt es nur noch als Nachthemd. Das Shirt ist so unglaublich warm, dass es eine magische Anziehungskraft auf mich ausübt, ich mich in die Nähe des Mannes sehne, mich dieser geradezu hingeben möchte, mit Haut, mit Haaren. Aber ich kenne ihn ja nicht. Inzwischen schlottert mein Körper vor Kälte.

Mit fürsorglicher Stimme fragt der Unbekannte: „Soll ich dich etwas wärmen?“

Ich verstehe, dass ‚etwas‘ zwar eine gewisse Annäherung erlaubt, ohne jedoch seine direkte Nähe zu erlauben. Am liebsten würde ich mich an ihn drücken, ich kann diesem Drang nur mit Mühe widerstehen. Da tritt Natascha aus der Nähstube zu uns, gefolgt von Johannes mit dem Handwägelchen. Vor mir bleiben sie stehen. Mit vorwurfsvoller Mine weist Natascha auf ihre Wade, die inzwischen mit einem altmodischen, schwarzen Nylonstrumpf bespannt ist. Bläulich schimmert ihre bleiche Haut durch das Schwarz. Sie hat grazile und doch kräftige Tänzerinnenwaden, trägt schwarze Spangenpumps …

Maßregelnd erhebt sich ihre Stimme: „ICH habe mich jetzt den kühlen Temperaturen entsprechend gekleidet!“

So als wolle sie mir vorwerfen, ich sei absichtlich nicht tadellos gekleidet, damit ich eine Ausrede habe, mich an fremde Männer heranzuschmeißen. Eine verachtenswerte Seite von mir, die nur allzu leicht zu durchschauen wäre. Einfach ungeheuerlich.

Uih uih, dabei habe ich Natascha als mir wohlgesonnen in Erinnerung. Ich hatte ihr mal ein Stückchen Himalaya Salz nach Berlin geschickt, nachdem sie angerufen und geklagt hatte, dass sich die Haut von ihren Handtellern löse, weil sie die Farbe nicht gut vertrage. Aus dem Grund trug sie ständig weiße Stoffhandschuhe. Dieses Salzstückchen — so sagte sie später, als wir uns in Worpswede wiedertrafen — habe ihre Haut heil gemacht. Ich erinnere mich, dass sie sich mehrfach so dankbar zeigte, dass es mich beschämt hatte.

Die Pobrustwarzenknospe

Traum vom 11. Juli

Die Zufahrt zum Antriebsstoff und der Weg meiner Herkunft treffen im rechten Winkel aufeinander. Genau an diesem Punkt stehe ich. Selbstvergessen, mit nach links gedrehtem Oberkörper, schaue ich auf meinen nackten Po, wie in einem Spiegel. Die Pobacken haben sich verändert. Sie sind sehr rund und fest.

Mitten auf ihnen ist eine junge Brustwarze entstanden, wodurch die Pobacken fast ein wenig Brüsten ähneln. Mir fällt ein — da ich eine Erklärung dafür suche –, dass es bei Männern, die Anabolika nehmen, zur Gynäkomastie kommen kann. Aber ich bin ja kein Mann und irgendwelche Substanzen nehme ich auch nicht … — oder? Eine sanfte Stimme erklärt, dieser Effekt auf meinen Pobacken sei kein Makel, sondern eine natürlich entstandene Auszeichnung, die von hartem Training und viel Disziplin zeugt. Ich bleibe unsicher … höre ich vielleicht meine eigene Stimme nur, die mich beschwichtigen will? In diesem Moment treibt eine der Brustwarzen aus … ein hauchzartes Hautstängelchen wächst wie im Zeitraffer, mit der Brustwarze als Blütenknospe voran, aus der Pobacke.

Bald neigt sich die Brustwarzenknospe dem Boden zu und lässt dort eine cremige Masse  herausquellen: Dabei macht sie leicht kreisende Bewegungen und gebiert so eine formvollendete Schnecke aus Kot. Bin ich im ersten Augenblick noch fasziniert von all der Zartheit, dem Schönen, dem Natürlichen und der Ästhetik dieser wunderbaren Schnecke, kommt mir mit einem Mal die Möglichkeit in den Sinn, die Eltern oder Nachbarn könnten diesen Kothaufen hier entdecken. Niemand würde die Schönheit erkennen, alle würden nur die Nase über mich rümpfen und mich als Schwein bezeichnen. Ich bin über mein Tun erschrocken und … spüre zugleich den Schmerz eines großen Verlusts.


Verblüffend in diesem Zusammenhang, dass mir die ringelnitze tatsächlich mehr Brustwarzen als üblich zugestehen, ohne zu dem Zeitpunkt von meinem Traum gewusst zu haben.

Der Ausbruch | Realität und Traum

Seinen Träumen folgen?

Immer mal wieder lese ich, man solle seinen Träumen folgen. Welche Art von Träumen hat man da vor Augen? Lichte Träume von Glück und Unbeschwertheit? Den Traum vom goldenen Horizont, den man erreichen wird? So in etwa stelle ich mir das in naiven Momenten vor.

Was ist eigentlich mit den angstauslösenen, den beunruhigenden und den finsteren Träumen? Soll man diesen auch folgen? So eine blöde Frage! Natürlich nicht! Lieber soll man froh sein, dass das nur ein schlechter Traum war! Wirklich … ?

Ich folge gerade einem „schlechten Traum“ im Wachleben, um ihn auf dieser Ebene zu Ende zu führen. Ehe die Traumerinnerung vergeht, will ich also die durch den Traum in Gang gesetzte Dynamik für mich nutzen, um den letzten Schritt zu vollziehen.

Worum geht es?

Das Zirkeltraining … Bereits seit Monaten tendiere ich zum Absprung (Kündigung des Vertrags). Wie es überhaupt zu dem Gefühl einer so ungeheuren moralischen Verpflichtung kommen konnte … Die Geschichte(n) und die Zusammenhänge, die da zu erklären wären, sprengen wahrlich den Blograhmen.

Dieser Traum, den ich gleich beschreiben werde, brachte mich viel direkter mit meinen Gefühlen in Kontakt, als ich das im Wachleben und in der Situation zulasse. Dazu wurden mir meine Knackpunkte klarer, so dass ich mich damit auseinandersetzen konnte. Die Ängste aus der Distanz analysieren und einordnen: sind sie gerechtfertigt oder nicht! Und dann tief durchatmen und den Weg der Angst gehen, weil ich weiß: es kann nichts Schlimmes geschehen, ich muss „nur“ den befreienden Schritt machen.

Der Ausbruch

Am 15. Juli träumte ich …

Heute werde ich wieder am Zirkeltraining teilnehmen. Als ich aus der Umkleide komme, fallen mir auf der Trainingsfläche die unüblichen Aufbauten auf. Die Zwischenstationen wurden aufwändig ausstaffiert. Jemand sagt, heute sei „Fun-Tag“.  Na, das kann ja heiter werden … Wegen des Fun-Tags können wir auch nicht direkt in den Zirkel einsteigen, sondern müssen uns in die Reihe der Wartenden stellen. Die Stationen sind zeitaufwändiger, was den normalen Durchlauf behindert. Nicht nur, dass ich warten muss, auf diese Weise bin ich auch noch unfreiwilliger Zuschauer eines albernen Spektakels, an dem ich in keiner Weise beteiligt sein möchte.

Einige große, dicke blaue Turnmatten wurden zu einer Hüpfburg gestapelt. Nach und nach gehen die Frauen also dorthin, um den kleinen Parcours zu meistern. Auf dem Weg wandeln sie sich zu kleinen Windelkindern, die johlend und mit ungeschickten Schritten den mattenweichen Zugang hochstapfen und sich dabei gegenseitig bunte Schwimmnudeln auf die speckige Kehrseite kloppen. Die erste „Hürde“ scheint zu sein, dabei sein Gleichgewicht zu halten, während es scharf nach links um eine hochkant gestellte Matte herum und von dort direkt nach oben ins Zentrum der Hüpfburg geht. Hmm, das soll wohl die eigentliche Herausforderung sein, überlege ich gelangweilt. Auf der Hauptmatte macht man dann einige vergnügte Hüpfer, um schließlich den letzten Satz in Form eines Absprungs zu absolvieren. Es ist mir ein Rätsel … alle machen diesen Zirkus ganz selbstverständlich mit.

Die Atmosphäre ist aufgeregt. Ach, und das dazu: die Inhaberin ist heute aus dem Urlaub zurück, schaut mürrisch drein. Sie ist mit ihren Mitarbeitern unzufrieden Klar, es läuft gut, aber es könnte immer noch besser laufen – … viel viel besser! Hinter mir steht eine Frau, die – wie ich – seit der ersten Stunde dazugehört. Ihre Wangen sind vor Aufregung gerötet; wird sie die Übungen meistern können, scheint sie sich zu fragen. Hinter vorgehaltener Hand zwar, schreit sie mir dennoch so laut in den Nacken, dass ich vor Schreck den Kopf einziehe, um meine Ohren mit den Schultern zu schützen. Eine vielleicht unbewusste Unsicherheit mag ihr diese zu aufgeregte und laute Stimme verleihen. Dunkel glänzen ihre Augen …

Ich kann mir nicht vorstellen, diesen Zirkel über drei Runden mitzumachen. Aber natürlich, ich komme hier nicht raus, ohne durch meine „Flucht“ wie eine Spielverderberin zu wirken. Da sähe ein jeder, wie sehr mich diese Albernheiten anöden. Auch wäre es ein Schlag ins Gesicht der Mitarbeiterinnen, die sich ja viel Mühe mit dem Aufbau gegeben haben.

Schon bin ich an der Reihe und setze widerwillig an, die Schritte zur Hüpfburg zu machen …

Gegen meinen Willen muss ich in genau diesem Augenblick doch noch getürmt sein, denn sogar den weit entfernt liegenden Stadtrand habe ich weit hinter mir gelassen. Das Meer ist nahe. Kaum will ich mein Glück fassen, da bemerke ich sie ….

Die Inhaberin ist mir auf dem Fuß gefolgt! Ihre schweren Vorwürfe holen mich ein. Verbale Schläge … Sie läuft an mir vorbei, hinein in ein Wattenmeer, dessen Ebbe schon lang währen muss, da dieses einer staubigen Sandwüste gleicht. Hier gibt es kein Entrinnen! Dazu spüre ich, wie tief ich sie mit meinem Verhalten verletzt habe. Das schmerzt auch mich und es tut mir von Herzen leid. Aber ich bleibe dabei, und will es ihr verständlich machen:

„Hör mir bitte zu. Ich habe zwei Kinder in großem Abstand geboren, war mein bisheriges Leben lang aktive Mutter und habe dabei unzählige Male Hüpfburgen besucht, die mich bereits vom ersten Mal an total gelangweilt haben. Ich tat es für meine Kinder – nicht für mich! Ich mag nicht mehr. Das musst du verstehen, bitte!“

Verletzt und mit schmollendem Gesichtsausdruck wendet sie mir den Rücken zu, geht Richtung Wüstenmeer. Ihr ganzer Körper strahlt innere Abwehr aus, wirkt angespannt, sie will das nicht einsehen. Ich möchte all dies Unangenehme zwischen uns aus der Welt schaffen.

Mit ein paar schnellen Schritten hole ich sie ein, umfasse sie mit beiden Armen von hinten, drehe sie vorsichtig zu mir um, was sie geschehen lässt. Dann nehme ich sie in die Arme und halte sie vorsichtig fest. Schon spannt sie sich wieder an; sie will sich nicht geschlagen geben. Nur aus diesem Grund sagt sie jetzt etwas, das sie niemals vorschlagen würde, da es ihr absolut gegen den Strich geht:

„Du hast dich bestimmt gewundert, dass ich dir, als Fitteste von uns, noch immer keinen Job angeboten habe.“

„Nein!“

Auf diese Weise will sie mich zurück in den Zirkel bewegen!? Oh nein!

„Ich habe mich nie gewundert. Ich will keinen Job!“

Doch sie will gleich hier und jetzt einen Vertrag mit mir machen, sitzt schon auf einem Granitbrocken, das alte Klassenbuch aufgeschlagen auf den Knien und blättert mit fahrigen Bewegungen bis zum aktuellen Kalenderblatt durch. Dazwischen bemerke ich zu meiner großen Verwunderung eine Urkunde, die auf meinem Namen ausgestellt ist, die mir aber nicht ausgehändigt wurde – bei irgendeiner Sache habe ich wohl mal den 1. Platz gemacht. Die Inhaberin scheint so oft darüber hinweggeblättert zu haben, dass sie mir diese auch jetzt ganz selbstverständlich unterschlägt. Dazu sind alle Seiten des großen Terminkalenders eng beschrieben, die Mitarbeiter sind für das ganze Jahr fest eingeteilt. Nicht eine einzige Lücke, doch sie murmelt gestresst:

„Bestimmt willst du gleich zum Ersten anfangen … Das wäre in diesem Monat der zweite.  Hm, da hat schon Karen Dienst … ich werde ihr absagen, damit du ihre Schichten übernehmen kannst.“

Ach du liebe Zeit … Karen … das erinnert mich … Plötzlich rauschen in Sekundenbruchteilen unzählige gemeinsame Arbeitszeiten vor meinem inneren Auge ab … das war alles so unangenehm, ein einziger Albtraum, der sich nicht wiederholen soll. Ich will doch diesen Job nicht! Niemals! Warum sage ich das jetzt nicht ganz laut? Wo bleibt meine Stimme? Ich werde mich doch nicht selbst verraten! Als Trainerin müsste ich sogar noch Vergnügen an den Hüpfburgen heucheln … vorgaukeln, es sei eine tolle und der Fitness zuträgliche Sache! Ein Albtraum, ein Albtraum … wann höre ich endlich mein lautes Nein, das allem ein Ende macht?!


Vielleicht sollte es dem Traum-Ich gar nicht möglich sein, das Nein hörbar auszusprechen, damit mir die dafür notwendige Energie im Wachleben bleibt? Das Wort will mir nicht über die Lippen kommen. Überlegung: während man noch im Glauben festhängt, es nicht tun zu können – heute nicht, morgen nicht, nie nicht – kann man es ja trotzdem schon mal tun. Die Beschränkung im Kopf bestehen lassen, und — dieser ungeachtet  — den Weg in die Freiheit gehen.

Dieser Traum ist überhaupt spannend. Die einzelnen Traumszenen erzählen mehrschichtig, wiederholen zentrale Themen im Kleinen oder Großen; aus unterschiedlichen Perspektiven. Zu erkennen vermag ich dies natürlich nur, weil ich um all die Zusammenhänge weiß, die hier – wie ich bereits sagte – den Rahmen sprngen würden. Und wenn ich dann noch überlege, für wie viele Traumaussagen ich dennoch blind bin!

Wie geht der Traum im Wachleben zu Ende?

Seit gestern ist die Kündigung geschrieben und ausgedruckt, und … inzwischen auf dem Postweg. Was für ein Zirkus da in mir abgegangen ist, und das nur wegen solch einer Kleinigkeit! 😉

Ja, und man wird mir sicher keine einzige Träne nachweinen. Das Zirkeln um meinen eigenen Bauchnabel macht mich so schwerwiegend und bedeutend – in der Realität bin ich irgendeine von Vielen.