Streifzug vor der Haustür

An manchen Tagen verlasse ich etwas lustlos das Haus, um meine Schritte (Ziel: täglich 12 000) zu machen.

Die vertraute Umgebung, von der sich mein Gehirn gelangweilt zeigt, bringt mich an die Grenzen meiner Disziplin. Entweder ich stelle mich der Langeweile, die mein offenbar uninspiriertes Hirn für mich inszeniert, oder ich bringe etwas Leben in die Gehirnwindungen, indem ich mir kleine Aufträge gebe. Wobei es nicht um die Erfüllung dieser Aufträge geht, sondern eher um den Fokus, der sich nebenbei einstellt. Irgendwann werden mir die Ideen für diese Aufträge auch ausgehen. Macht nichts.

An diesem Tag – vergangenen Mittwoch – fehlte mir der Schwung, um den Trick mit dem Fokus umzusetzen. Okay, wenn gar nichts geht, dann bleibt nur eines: einfach gehen! Na und? Ist doch schön?! Den Weg den Füßen überlassen – mich einfach gehen lassen. Eigentlich ein Widerspruch, denn ließe ich mich gehen, so ginge ich nicht los. Ach, Widersprüche … Sind Widersprüche nicht genau dazu da, um diesen zu widersprechen? So also gelangte ich an diesen Bierkrugbaum. Ich überlegte: War ich wirklich noch nie hier? Oder ist es einfach nur sehr lange her?

Nah beim Bierkrugbaum dann dieser Baum. Oder war es nur ein Baumstamm? Die Schnitzereien zogen meine Aufmerksamkeit auf sich, ich könnte die Frage nicht beantworten. Ein Fisch hinter Gitter. Da komme ich ins Grübeln. Wer denkt sich sowas aus? Und: warum? Vielleicht ist es ein Traum? Die ganze Szenerie wurde für mich gestaltet. Und gleich, wenn ich den Ort verlassen habe, löst sich alles wieder auf. Das wäre ein neuer Auftrag: erneut hingehen, und mich vergewissern, dass noch alles da ist.

Die Spinnweben, der verhinderte Nasenring, dieser Blick … Die Betrachtung der Aufnahmen hinterher … das ist eine Belohnung für das Losgehen. Nach der Rückkehr, gemütlich zuhause sitzend und die Bilder betrachtend, entstehen Geschichten, während vor Ort die Umgebung noch geschwiegen hatte. Mit dem Wissen dieser Nach- und Nebenwirkungen müsste das nächste Losgehen viel beschwingter möglich sein?

Ich umrundete den kleinen Ort. Die immer wieder aufblitzenden Häuser am Waldrand dienten als Orientierung. Auf den letzten Kilometern spürte ich eine angenehme Zufriedenheit, denn langweilig war mir die ganze Zeit nicht.

Blitzlicht | 24.02.2021

Im vergangenen Jahr habe ich dieses Blog von der Werbung freigekauft, da ich vorhatte, wieder regelmässig zu schreiben. Was daraus geworden ist, sieht man – nämlich nichts. Es liegt daran, dass ich zu viel will:

  • Sorgfältig und lückenlos dokumentieren
  • Das Geschriebene sollte auch einen Mehrwert für die Leser haben, nicht nur für mich.
  • Nebenbei möchte ich wieder aktiver Teil der Community sein

Das sind die wichtigsten Punkte, und es sind nur drei. Doch im Zusammenspiel mit meinen Eigenarten sollte ich sofort wissen, dass es nicht funktionieren kann. Der Tag hat dafür nicht genügend Stunden und der tägliche Energievorrat — sei es auf physischer, psychischer oder mentaler Ebene — ist natürlich begrenzt, denn, hurra, ich bin ein Mensch. Ach ne.

Das Problem ist also, dass ich zu viel will. Solange ich aus der Nummer nicht rauskomme, werde ich immer nur Einsteigen, um bald darauf wieder alles resigniert fallenzulassen. Weniger ist mehr. Deshalb springe ich rein — mit diesen Zeilen. Kurz, und gut.