Texel | Vom Weg abgekommen

Freitag, 28. Juli 2017

Der letzte Tag. Unser Ziel war der südlichste Teil der Insel. Die Autoroute zum dortigen Wanderparkplatz führte nahe der weißen Kirche von Den Hoorn vorbei, die wir uns gerne ansehen wollten. Allerdings war die Kirche an diesem Tag nicht von  Schafen auf einer grünen Wiese umgeben sondern:

Wenn ich das im Vorbeifahren richtig gelesen und verstanden hatte, fand dort an diesem Tag eine Landwirtschaftsausstellung statt. Fluchtartig verließen wir dieses Gebiet.

So konnten wir etwas früher unseren Rundweg starten – auch gut! Als ich die Angaben auf dem  Schild entdecke,  war ich etwas enttäuscht:

Waaas, keine vier Kilometer? Da lohnt ja gar nicht das Aussteigen! Wäre ich mal nicht so langstreckengierig gewesen …

Wir waren eindeutig zu weit gegangen!

Da standen wir … Erstens hatte ich auf dem letzten Wegweiser nur noch eine gelbe, aber keine blaue Markierung mehr gesehen. Zweitens war nicht eindeutig zu erkennen gewesen, in welche Richtung der Wegweiser tatsächlich zeigen sollte. Wir gingen gen Süden weiter, um bis zum Wasser zu kommen. Uiui, je näher wir kamen, um so ferner schien es zu sein. Zwischendurch mal ein Blick nach links – könnte ja sein, ein Wegweiser … – aber nein.

Kein Problem, irgendwo im Dünengrün musste der Einstieg hin zum „blauen Weg“ ja mal kommen; so in etwa ein oder zwei Kilometern. Leute, haltet die Augen offen! Irgendwann bemerkten wir in der Ferne ein Schild. Yay, das ist bestimmt der Wanderweg! Ich rannte (na ja, wie man so im weichen Sand „rennt“) vor, um die Informationen zu schnappen. Wäre der Weg falsch, hätte immerhin nur ich einen Umweg gemacht.

Blechschild ohne Hinweis

Nochmals hatte ich Maps Me geöffnet; wenn es den eingezeichneten Weg tatsächlich geben sollte, müssten wir ihn nur noch entdecken. Auf den nächsten siebenhundert Metern …

Hah! Hier entlang!

Genau, und schon bald konnten wir einen der Seen sehen, der nahe dem Parkplatz gelegen ist. Dann ging es fast zu schnell, der Parkplatz musste uns entgegen gewandert sein.

Witzig: als wir dort ankommen, steigt eine Frau aus einem Auto, die wir sofort wiedererkennen! Sie hatte uns auf der Hinfahrt nach Texel in Den Helder, kurz vor dem Fährhafen, bedrängelt und beim Überholen geschnitten, um die in einer Minute ablegende Fähre doch noch zu bekommen. Dummerweise war sie so ungünstig an den Schalter gefahren, dass sie zum Bezahlen aussteigen musste. Das Geld hatte sie dann auch noch im Fahrzeug liegen lassen und …

Ja, es ist einfach herrlich zuzuschauen, wie die Fähre langsam Fahrt gewinnt und man noch eine halbe Stunde Zeit hat, das alles in Ruhe auf sich wirken zu lassen, den weichen Wind in den Haaren zu spüren. Wir konnten unser Auto so günstig einreihen, dass ich meine Füße auf die Vorderreifen stellen und mich gleichzeitig mit den Händen auf einem Geländer abstützen konnte, um so Trizeps Dips zu machen. Vier Sätze kamen zusammen — während die Sonne mein Gesicht wärmte, begann es heftig im Trizeps zu brennen. Die gefühlt schönsten (Mini-)Workouts macht man offenbar an unüblichen Plätzen?! Die Dränglerin rauchte derweil aufgeregt, mit leicht erhobenem Kinn; ihre grauen Haare, die sie knapp hinter dem Scheitelpunkt zu einem Kurzhaarpinsel gebunden hatte, sahen wie ein erstarrter Minispringbrunnen aus.

Und eben diesen Kurzhaarpinsel sahen wir aus einer sich öffnenden Fahrzeugtür auftauchen, als wir den Wanderparkplatz erreichten. Sie drehte sich dann erst mal eine Zigarette. Mist, so cool wäre ich auch gerne mal drauf!

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2 Kommentare zu „Texel | Vom Weg abgekommen

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