Ungeheuer kühler Kopf

Inzwischen hatte ich schon wieder vergessen, dass ich mit dem Beitrag Komme nicht mehr hinterher quasi schon beim Mittwoch vergangener Woche angekommen war, zumindest hier im Blog. Dennoch ein kleiner Blick zurück, denn ich habe einen Traum aus Amsterdam mitgebracht. Als ich gerade die Aufnahmen aus Amsterdam überschaute (ob vielleicht eine passende für den Traum dabei wäre), fiel mir dieses ins Auge:

Die Aufnahme entstand im Vondelpark in Amsterdam. Erst jetzt fiel mir auf, dass dieser Aufkleber womöglich den Traum ausgelöst haben könnte. Die Scheren weisen auf die Nähstube hin, die Beine auf Nataschas Waden, dazu das Schwarz-Weiß. Bemerkenswert, denn meist träume ich ja farbig.

Amsterdam – Traum vom 24. Juli 2017

Etwas treibt mich durch eine längst verschneite Nacht … es trägt mich sauseschnell zu einem Acker hin. Ein geisterhafter Ort, der wie in einer leblosen Parallelzeit erstarrt scheint. Plötzlich aber doch zwei Quertreiber; sie sind in schwarze Kleidung gehüllt, ziehen einen Holzkarren mit sich. Als sie vor mir das Acker queren, erkenne ich sie: Hey hey! Das sind ja Natascha Ungeheuer und Johannes Schenk? Die habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen!

Natascha muss mir etwas zugerufen haben, denn für einen Augenblick spüre ich den festen Blick ihrer mit schwarzem Kajal umkränzten Augen, ehe sie den Weg fortsetzen.

Ich eile den beiden hinterher und sage zu Natascha: „Ich habe dich leider nicht verstanden.“

Sie wiederholt ihre Frage mit kühlem Ernst: „Ich wollte wissen, welche Ursachen dein kühler Kopf haben könnte!“

Ich antworte nachdenklich: „Dazu kann ich mehr sagen …“

Misstrauisch hakt sie nach: „Ich dachte, du hättest mir absichtlich nicht geantwortet …“

„Nein nein“, erkläre ich erschrocken, „ich habe diese Krankheit auch, die zu einem kühlen Kopf führt.“

Ohne ein weiteres Wort zu wechseln, ziehen wir drei uns gemeinsam ins unbewohnte Haus meiner Großeltern zurück. Wir durchqueren es zielstrebig und begeben uns in die Nähstube. Ich beginne damit, Nataschas langen schwarzen Haare mehrfach zu scheiteln, um ihre Kopfhaut sorgfältig zu untersuchen. Johannes studiert währenddessen neugierig mein Gesicht, so als sei ich ein fremdartiges Wesen, das ein rätselhaftes Verhalten zeigt.

Szenenwechsel. Bereits seit einigen Minuten schon stehe ich in einem kleinen Raum vor der Nähstube. Gemeinsam mit einem unbekannten Mann warte ich darauf, dass diese Sache weitergeht. Ich glaube, mir fröstelt … Jedenfalls spüre ich eine erstaunliche Wärme vom Shirt des Mannes ausgehen. Es ist ein häufig gewaschenes Shirt mit etwas Grauschleier. Mag sein, er trägt es nur noch als Nachthemd. Das Shirt ist so unglaublich warm, dass es eine magische Anziehungskraft auf mich ausübt, ich mich in die Nähe des Mannes sehne, mich dieser geradezu hingeben möchte, mit Haut, mit Haaren. Aber ich kenne ihn ja nicht. Inzwischen schlottert mein Körper vor Kälte.

Mit fürsorglicher Stimme fragt der Unbekannte: „Soll ich dich etwas wärmen?“

Ich verstehe, dass ‚etwas‘ zwar eine gewisse Annäherung erlaubt, ohne jedoch seine direkte Nähe zu erlauben. Am liebsten würde ich mich an ihn drücken, ich kann diesem Drang nur mit Mühe widerstehen. Da tritt Natascha aus der Nähstube zu uns, gefolgt von Johannes mit dem Handwägelchen. Vor mir bleiben sie stehen. Mit vorwurfsvoller Mine weist Natascha auf ihre Wade, die inzwischen mit einem altmodischen, schwarzen Nylonstrumpf bespannt ist. Bläulich schimmert ihre bleiche Haut durch das Schwarz. Sie hat grazile und doch kräftige Tänzerinnenwaden, trägt schwarze Spangenpumps …

Maßregelnd erhebt sich ihre Stimme: „ICH habe mich jetzt den kühlen Temperaturen entsprechend gekleidet!“

So als wolle sie mir vorwerfen, ich sei absichtlich nicht tadellos gekleidet, damit ich eine Ausrede habe, mich an fremde Männer heranzuschmeißen. Eine verachtenswerte Seite von mir, die nur allzu leicht zu durchschauen wäre. Einfach ungeheuerlich.

Uih uih, dabei habe ich Natascha als mir wohlgesonnen in Erinnerung. Ich hatte ihr mal ein Stückchen Himalaya Salz nach Berlin geschickt, nachdem sie angerufen und geklagt hatte, dass sich die Haut von ihren Handtellern löse, weil sie die Farbe nicht gut vertrage. Aus dem Grund trug sie ständig weiße Stoffhandschuhe. Dieses Salzstückchen — so sagte sie später, als wir uns in Worpswede wiedertrafen — habe ihre Haut heil gemacht. Ich erinnere mich, dass sie sich mehrfach so dankbar zeigte, dass es mich beschämt hatte.

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5 Kommentare zu „Ungeheuer kühler Kopf

  1. Ich analysiere das mit
    „erstaunliche Wärme vom Shirt des Mannes“ jetzt mal nicht-sexuell.
    Möglich: Anziehung durch das Unbekannte. Neues, unverbrauchtes, Unbekanntes.
    Doch ist das nur eine Möglichkeit.

    Das mit den Händen erinnert mich an ein Desaster jahrzehntelang mit meinen Händen.
    Zur Zeit sind sie VÖLLIG geheilt. Aber: Wie HABE ich gelitten, meine Hände immer versteckt!

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    1. Vielen Dank für Deine Anregung! Männer, die eine gewisse Wärme ausstrahlen, scheinen tatsächlich eine Anziehungskraft auf mich zu haben. Je unbekannter mir ein Mann ist, um so stärker ist da wohl die auf ihn projizierte Wärme.

      Aber hey, Du, es ist schlicht unmöglich, dass Deine Hände zur Zeit völlig geheilt sind, schließlich habe ich Dir – soweit ich mich erinnere – noch nichts von meinen himalayanischen Zaubersalzbrocken zukommen lassen. 😉

      Aber ernsthaft: hattest Du herausgefunden, woran das Desaster lag oder musstest Du nichts meiden und die Haut heilte von allein? Finde ich interessant, da meine Haut auch ziemlich empfindlich reagiert.

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    1. Oh, wie schön! So hattet ihr gleich morgens ganz unerwarteten Gesprächsstoff, oder?

      Da wünsche ich Dir jetzt eine gute Nacht und schöne Träume. Oh, es ist schon spät … ich setze meine Gute-Nacht-Wünsche mal auf eine Wolke und lasse diese zu Dir segeln … 🙂

      Gefällt 1 Person

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