Wie es kam, dass ich so spät laufen ging

Da für heute ein Radausflug mit der Familie geplant war, wollte ich gleich  morgens meine Laufeinheit abspulen. Am Urlaubstag wollen natürlich alle ausschlafen. Auch ich, ein bisschen zumindest. So stellte ich mir zwar eine Weckzeit ein, aber sozusagen die  für den  allerletzten Drücker. Vor dem Einschlafen hatte ich mir vorgenommen, nach dem ersten oder zweiten Traum am Morgen aufzustehen. Gute Idee! Da war er dann gekommen, der erste Traum am Morgen (in dem es um eine unerhört weiche Schulter geht). Mit dem Erinnern „beamte“ ich mich in den Wachzustand, doch wohl nicht so wirklich, denn ich rutschte in einen Minitraum ab:

Früh am Morgen. Ich sprinte direkt los, auf dem parallel zu Kreisstraße verlaufenden Radweg. Nach nur drei langen Schritten scheint mich etwas einzufangen und ich werde wie an einem kräftigen Gummiband (mein schwarzes Resistance Band) nicht nur aufgehalten, sondern vom Zug geradezu komplett zurückkatapultiert. Hinein in eine Finsternis und direkt ins Vergessen.

Nach vielleicht ein oder zwei Stunden erst komme ich wieder zu mir, gleite direkt in einen Minitraum:

Nicht ganz so früh am Morgen. Ich sprinte direkt los, auf dem Teilabschnitt meiner üblichen Laufrunde, wo diese Andachtsstelle am Wegrand liegt. Nach zwei oder drei langen Schritten werde ich erneut von diesem irre zugkräftigen Gummiband eingefangen, so dass mir Hören und Sehen vergeht; eine himmlische Kraft scheint mich mit diesem Gummilasso zurückbefördern zu wollen – katapultiert mich erneut zurück in die völlige Finsternis, dem direkt das Vergessen folgt.

Nach vielleicht einer weiteren Dreiviertelstunde erst wache ich erneut auf, blicke auf die Uhr. In zwei Minuten wird die Wecker-App losdüdeln. Jetzt aber raus! Ich fühle mich herrlich ausgeruht und ausgeschlafen, schnappe mein Smartphone, renne beschwingt ins Bad, dann zu meinen bereit gelegten Laufklamotten, trinke einen Becher Kaffee, aktiviere Blue Tooth, stöpsele die Ohrhörer ein, tippe unbesehen auf das Startzeichen des Music Players, aktiviere Runtastic, lege die Stoppuhr um. Raus nach draußen! Herrlich kühle Luft und Sonnenschein. Perfektes Laufwetter! Mit dem Laufen kommt das erste Glücksgefühl.

Nach gut zwei Kilometern geht nach mehreren Hängern die Musik aus. Meist fängt sich das wieder. Heute nicht. Lästig, aber hilft nichts: stoppen und schauen, was da los ist. Das Display bleibt schwarz. Dann plötzlich der Schriftzug … es hatte sich runtergefahren und neu gestartet. Klar, warum auch nicht? Runtastic war nicht mehr aktiv. Ach na ja, wozu auch? Diese Aufzeichnungen bringens doch eh nicht. Bald lief die Musik wieder und ich rannte weiter. Welche Playlist wurde da nur abgespielt? Runtastic schaltet sich ein: GPS-Signal gefunden! Ach … Das Musikstück bricht ab, ein neues läuft an. Okay … die App hatte ohrenscheinlich in den Zufallsmodus gewechselt. Mal wurde mir ein Klingelton vorgespielt, dann eine Einschlafmusik, eine Sequenz aus der Heilpraktiker-CD, Stückchen Hardcore-Mucke, Kalkbrenner Paule, EMD – brach mittendrin ab, gottseidank, Harfenmusik, was Meditatives, African World Beat, … was ich so alles drauf habe, erstaunlich …. Nach acht Kilometern lullte mich dann Chris Mulzers Stimme derart ein, dass ich anfangs gar nicht mitbekam, dass die Chakra-Meditation lief. Erst als ein Bild vor meinem inneren Auge aufstieg, das Mulzer mit seiner typischen Schnute zeigt, wenn er so ähm … speziell spricht,  kam mir das plötzlich unpassend und vor allem leistungsmindernd vor. Hat mich fast geärgert, dass ich mich von seiner Stimme so lange hatte unbewussst einlullen lassen.

Nüchternlauf: 10,2 km | 0:57:04 | Pace: 5:36neue persönliche Bestzeit – Yay!

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9 Kommentare zu „Wie es kam, dass ich so spät laufen ging

  1. Na so etwas. Bestzeit trotz Anhalten und leistungsmindernder Randommusik!
    Das Unschöne an Bestzeiten ist, daß man sie schlechter knacken kann als vorher 🙂

    Spannende Träume übrigens!

    1. Die Zeit hatte ich während des kurzen Stopps pausiert.
      Ja, da hast Du Recht, diese Bestzeit zu knacken wird schwierig werden – schon auch, weil ich laufend älter werde. 😉

  2. Kommt deine Musik beim Laufen aus der „Wolke“ oder ist alles lokal gespeichert? Den Zufallsmodus meines iRivers schätze ich übrigens auch sehr: erstaunlich, was man so über die Jahre alles gespeichert und wieder vergessen hat…

    1. Ich habe alles lokal gespeichert, immer auf das nächste Gerät mitgenommen. Ja wirklich, man vergißt so manches.
      Du hast mich nun allerdings auf die Idee gebracht, mich mal mit einer „Wolke“ anzufreunden. 🙂

    1. Und das hat sich vielleicht krass angefühlt! Ich SOLLTE einfach noch schlafen, um wirklich ausgeschlafen zu sein. Die Traumkraft wusste schon, wie sie mich (Ahnungslose) für eine neue Bestzeit fit kriegen kann. Manchmal bin ich richtig begeistert von den Träumen. 😉

      1. Genug Schlaf ist essentiell für gute Leistung. Vermutlich wäre ich auch noch ein Stück schneller gewesen, wenn die Nacht vor meinem Campus Run besser funktioniert hätte.

        Träume sind toll, wenn man die Bilder zu deuten gelernt hat 🙂

        1. Ja, das halte ich auch für wahrscheinlich, dass Dir eine erholsamere Nacht eine schnellere Zeit beschert hätte. Aber dann würdest Du Dein nächstes Zeitziel noch höher stecken und … äh … was wollte ich jetzt eigentlich schreiben?? 🤔
          Ah, ich sehe gerade … zu dieser Uhrzeit bin ich gefühlt hellwach, aber … hmm … mein Hirn fährt wohl schon langsam in den Schlafmodus. 🙂

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