Das Höhnische einer Vogelscheuche

Am Ende einer traumlosen Nacht träume ich einen Traum, der kein Traum sein kann, denn dann hätte ich ja doch geträumt. Aus dem Off erklingt die Stimme der Traumkaft:

„Für die Bereitstellung dieses Traumes wird eine gewisse Gegenleistung erwartet. Wenn dir schon so sehr an einem Traum liegt, musst du anschließend auch ein Detail aus diesem herausarbeiten; dich aus der Beobachterposition herausbequemen und eine kleine Arbeit daraus hervorgehen lassen.“

Nicht mal gedanklich kann ich darauf antworten, so kleinlaut fühle ich mich angesichts dieser Großzügigkeit – ein Gefühl, als habe ich ein Geschenk erbettelt. Obwohl tief im Schlaf versunken, versuche ich mir die beiden Bilder einzuprägen, die mir „vorgelegt“ werden.

Es sind zwei Aufnahmen, die am Rande von Wohnsiedlungen gemacht wurden. Blicke in die dort anliegenden Nutzgärten hinein. Die Fotos zeigen Licht und Schatten, Wachstum und Verfall, Bewegung und Stillstand, Erstarrung und Lebendigkeit, … Es sind nichtssagende Aufnahmen, doch das denke ich nicht mal, weil es undankbar wäre.

Die Traumkraft erklärt, was ich tun soll. Leider ist nur ein Detail davon in Erinnerung geblieben:

Auf dem gezeigten Foto sieht man ziemlich mittig, fern und verschwommen eine Vogelscheuche im Garten. Sie ist weder besonders abschreckend noch sonstwie bemerkenswert. Ich soll nun das Höhnische, das einer Vogelscheuche stets innewohnt, ins Zentrum rücken, es sichtbar machen. Was auf dem Bild nicht zu erkennen ist, soll ich mir halt (aus-)malen und dann, ähnlich einem Polariodbild, mittig auf der Originalaufnahme positionieren, aber so, dass noch ein Teil des Bildes und ein Teil der fernen Vogelscheuche zu erkennen bleibt. „Schwarz und Weiß! Bilde das Wesen der Vogelscheuche ab!“

Und ich dachte und dachte und dachte noch so vage im Hinterkopf … an irgendetwas erinnert mich das Traumbild der schwarz-weißen Vogelscheuche. Genau! Kürzlich fotografierte ich diesen Aufkleber an einem Laternenpfahl. Ein Licht sollte mir jetzt vielleicht aufgehen?

Mit dem Aufwachen beschließe ich, keinen Traum gehabt zu haben, und dass das, was da verschwommen als Erinnerung angeschwemmt wird, nun mal kein Traum sein kann, weil ich ja nicht wirklich träumte, obwohl ich vielleicht gerne einen Traum gehabt hätte? Das war mir alles zu verwirrend und schlafzerknittert. Doch im Laufe des Tages tauchte immer wieder dieses Bild der Schwarz-Weiß-Rot-Vogelscheuche vor meinem inneren Auge auf und …

… okay, ich kam der Bitte der Traumkraft nach, um mich auf diese Weise für all die interessanten Träume zu bedanken.

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4 Kommentare zu „Das Höhnische einer Vogelscheuche

  1. Ein Traum mit Meta-Ebene. Wow.

    Das hatte ich bisher sehr, sehr selten. Das Gefühl, das es hinterlässt, das hier zu lesen: „Du bist ganz schön im Einklang mit den Traumbotschaften Deines Unterbewusstseins.“ auf der einen Seite und andererseits: „Was für ein abgefahrenes Zeug will uns der Traum damit sagen?“

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