Die Traumsammlerin [1]

Hin und wieder werde ich gefragt, ob ich wirklich so viel träume und wie man das dann auch noch alles erinnern kann.

Wie man Träume anlockt

Mit den Träumen und dem Erinnern ist das in etwa wie mit Meisen und Vogelfutter. Haben die Zwitscherheinis ein paar Mal einen leckeren Meisenknödel vorgefunden, kommen sie immer wieder vorbei. Träume füttert man quasi damit an, dass man anfangs vielleicht einen kurzen Traum erinnert – oder einen mächtigen Albtraum, der bleibt schon mal gut in Erinnerung – und sich ein paar Gedanken zu dem Trauminhalt macht. Wiederholt sich das einige Male, werden die Meisen immer stattlicher und man legt, so man möchte, immer mehr Gedanken- und Nachspürfutter aus. Mit der Zeit erinnert man seine Träume immer detaillierter und umfangreicher.* Und weil man nebenbei das (Traum-)Erinnerungsvermögen so gut trainiert, kann man sich alles immer besser merken. Es ist also, wie so vieles im Leben, einfach nur eine Sache der Übung und des Interesses.
* Und sehr bald heißt es dann: die hat doch ’ne Meise mit ihren vielen Träumen. — Sage ich: Ja, stimmt genau! 😀

Mit Träumen schwanger gehen

Als ich überlegte, etwas über das „viel träumen“ und „wenig träumen“ zu schreiben, fiel mir der dicke Ordner ein, in dem ich alle Träume aufbewahre, die ich hatte, als ich mit meiner Tochter schwanger war. Seit ziemlich langer Zeit drucke ich meine Traumtexte nicht mehr aus. Aber während der Schwangerschaft tat ich es und vielleicht freut sich meine Tochter später einmal über diese spezielle Erinnerung an diese Zeit.

Den Seiten sieht man an, dass ich recht häufig darin nachgelesen habe. Mein Mann und ich hatten mal damit begonnen, ein Buch zum Thema „Schwangerschaft und Träume“ zu planen. Da auch er seine Träume sammelt – sehr säuberlich in „tausend“ Ordnern – überlegten wir, unsere Träume gegenüberzustellen. Beispielsweise zu einem bestimmten Problem im Zusammenhang mit der Schwangerschaft/ dem Elternwerden, anhand unserer zeitgleichen Träume zu analysieren. Die Unterschiede, Gemeinsamkeiten, und spannenden Zusammenhänge herauszuarbeiten. Sozusagen aus Mutter- und Vatersicht.  Die Vielzahl unserer Träume ist uns bei der Angelegenheit zum Verhängnis geworden: Wir konnten uns nicht entscheiden, welche Träume für das Buch Verwendung finden sollten. So liegt das Thema hinter uns. Oder noch vor uns.

In den neun Monaten habe ich weit über 300 Träume schriftlich festgehalten

Da fehlt doch eine Seite aus dem Inhaltsverzeichnis?! Das darf ja wohl nicht wahr sein!

Als Beispiel zwei sehr kurze Träume aus dem Ordner

Dreizehn Tage vor der Geburt unserer Tochter kam dieser:

Vorbereitungs- und Wunschtraum 😉

Fünf Tage vorher dann etwas ähnliches:

Geburt eines kleinen Baumes

Nacktes Sein im Nichts. Mein Blick fällt auf meinen gewölbten Bauch und meine angezogenen, gespreizten Schenkel… ein kleines Bäumchen – ein Ahorn oder eine Eiche – wird gerade geboren… ganz leicht treibt es zwischen meinen Beinen hervor.

Dieses Bäumchen trägt den Namen der “Kücken-Zwillinge”. Ich frage mich die ganze Zeit, was das alles, vor allem im Hinblick auf die bevorstehende Geburt, zu bedeuten hat. Eine Stimme aus dem Off sagt: “Denke an das Duodezimalsystem; auch wegen der 12 aus dem anderen Traum!

Für mich ist das Schmökern in früheren Träumen ähnlich wie das Blättern in einem Fotoalbum.

Was ich damit ausdrücken will: die Motivation zum schriftlichen Festhalten der Träume kann vielerlei Ursprungs sein. Da ich generell meine Erlebnisse gerne mit anderen teile, ist es nur naheliegend, das auch mit meinem Nachtleben so zu handhaben. Sicher, ich selbst denke oft: na, so interessant ist das ja nun wirklich nicht! Andererseits denke ich gleichzeitig: woher will ich denn wissen, was für andere  interessant ist oder nicht? Deshalb praktiziere ich hier das völlig unverbindliche Auslegen meiner Traumtexte. So nach dem Motto: Lies diese oder Dein Leben bleibt fad‘!
Natürlich wollte ich sagen: … oder in China fällt der häufig strapazierte Gegenstand um.

Ja, und als Gegengewicht zu all dem Flüchtigen greife ich ab und an zum Eisen. Somit bleibe ich immer auf dem Teppich! 😉

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18 Kommentare zu „Die Traumsammlerin [1]

    1. Ja, unbequeme Träume … mein Eindruck ist, die Träume werden freundlicher, je häufiger man sich mit diesen beschäftigt und eben auch bereit ist, das Unbequeme anzusehen. Das dürfte für Dich kein großes Problem sein? Entschuldige, eine Einschätzung Deiner Person ist natürlich anmaßend, das ist mir bewusst. Aber ich meine bei Dir herausgelesen zu haben, dass Du auch selbstkritisch bist und denke mir dann halt so … 😉

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        1. Was genau meinst Du mit entsetzlich? Ordnest Du das Traumgeschehen als entsetzlich ein oder leidest Du tatsächlich im Traum oder nach dem Aufwachen darunter?
          (Auch so eine Macke von mir, ungeniert Fragen zu stellen. Dafür bin ich von Natur aus nicht beleidigt, wenn mal keine Antwort kommt.)

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          1. Ein winziges Fragment: Ich sah mich eher als Kind, das einen losen Pflasterstein hochhob, um drunterzusehen. Es war Erde darunter. Zwischen den Steinen Blumen.
            Normalerweise habe ich Scheu, Steine anzufassen, muß mir dann immer die Hände waschen.
            Vielleicht ein Hinweis darauf, wieder zur kindlichen Unbefangenheit zurückzukommen ?!

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      1. Lag der Pflasterstein allein herum oder war er Teil eines Weges?
        Zwischen den Steinen Blumen … ich finde es oft faszinierend, wie die (innere) Natur sich ihren Weg bahnt, diesen überhaupt findet, um sich schließlich in ihrer ganzen Schönheit zu entfalten. Dem Licht entgegen, und dem Regen. Die Blume setzt sich – ich stelle mir gerade einen gepflasterten Weg vor – den Tritten der Menschen aus, doch sie zögert nicht.
        Du beschreibst kein Gefühl zu diesem Fragment, weshalb ich mich frage, ob ich das gerade zu idyllisch betrachte? Welcher Art war die Erde? Erinnerst Du die Farbe der Blumen?
        Steine, die sichtlich länger herumliegen, hebe ich auch eher mit Vorsicht an, wegen der möglichen Würmer und Käfer, die darunter herumwimmeln könnten. Ist das bei Dir ähnlich oder geht es um eine andere Scheu?
        (Ein kleines, aber feines Fragment!)

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  1. Ich bin überwältigt, konnte es nicht fassen, als ich deine Sammlung gesehen habe. Das ist ja unglaublich. Ich weiß ehrlich nicht, was ich dazu sagen soll.

    Trotzdem geht es mir so, dass ich am Morgen nicht mehr weiß, was ich in der Nacht geträumt habe. Manchmal sind es Bruchstücke, die sich aber schnell verflüchtigen. Als Kind hatte ich immer wieder den gleichen Alptraum. Dann wachte ich immer schweißgebadet auf. Aber auch den konnte ich nie richtig greifen. Sobald ich wach war, war er auch schon wieder weg.

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    1. Könnte ich auch nicht so sagen, ob wir „Träumer“ eher eine Mehr- oder MInderheit sind. Das Aufschreiben der Träume ist vermutlich etwas für Menschen, denen das Aufschreiben und Formulieren generell schon mal keine zu große Last ist. Mehr oder weniger – je nach Traumlänge – zeitaufwändig ist es ja auch. Schreibt man es nicht direkt nach dem Aufwachen auf, verflüchtigt sich viel und nicht immer hat man Zeit und Lust direkt nach dem Aufwachen zu Stift und Papier zu greifen. Das sind ja auch für mich so Hürden … Oft sind eben andere Dinge wichtiger. Nicht die Träume allein, sondern die Vielfalt macht das Leben bunt und spannend.
      In diesem Sinne, einen wundervollen Samstag Dir!

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      1. Vielen Dank, den hatte ich. War heute bei einer 24-Std-Lauf Veranstaltung. Sind mit vier Läufern im Wechsel 6Std. gelaufen. Jetzt ist die Nachschicht dran. Morgen kann ich leider nicht. Hat aber heute sehr viel Spaß gemacht 😎

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