Amerikanische Sitten, wa!

Die Vorbereitungen für eine große Veranstaltung laufen. Es wird um Sport und um Kunst gehen; entsprechend weitläufig ist das Gelände mit den vielen Hallen.

Ich gehöre zum Helferteam, soll mich um den Aufbau von Stühlen und Tischen kümmern, und für die Bereitstellung/ Kühlung von Speisen und Getränke sorgen. Später werde ich die Ehrengäste und Besucher bewirten.

Alle Helfer verrichten die notwendigen Arbeiten selbstständig, nur ich habe keinen Plan … Was soll ich machen? Worum geht es? Wo steht was? Woher und wohin? Niemand hilft mir, weist mich ein. Stattdessen werden kreuz und quer riesige weiße Folien und Leinwände gespannt oder aufgestellt, die die ganze Angelegenheit noch unüberschaubarer machen. Ein richtig übles Gefühl ist das, so tatenlos rumzustehen, wo meine Mitarbeit erwartet wird. Das Gefühl der Hilflosigkeit nimmt zu. Die Untätigkeit macht mich träge und lustlos. Ich hasse dieses Gefühlgewühl! Hätte ich nicht meine Hilfe zugesagt, wäre ich längst auf und davon.

Als sich einige Helfer auf dem Weg zur Toilette machen, schließe ich mich an. Endlich kann ich mal was Sinnvolles erledigen. Es geht eine schmale Treppe herab, rechts um die Ecke durch eine schmale Tür, weiter durch einen schmalen Waschraum, der durch ein Tischchen – mit der Untertasse für den „freiwilligen“ Obulus – noch enger wirkt.

Beim Verlassen des Toilettenraumes folgen mir die anderen Helfer auf dem Fuß. Als sie bemerken, dass keine Münze auf dem Teller klingelt, während ich das Tischchen passiere, erhebt sich hinter mir eine empörte Männerstimme:

Hast du nicht einmal eine Kleinigkeit übrig?

Ich habe keinen einzigen Cent bei mir und erkläre über die Schulter hinweg:

Mein Mann wird auch noch gehen, und wie ich ihn kenne wird er einen großzügigen Betrag auf den Teller legen.

Tatsächlich war ich bis zu diesem Augenblick davon ausgegangen, ohne das hinterfragt zu haben. Die Meute hinter mir empört sich und ruft wild durcheinander sowas wie:

Du bist träge und geizig! Was für ein schlechter Mensch du bist! Ein Nichtsnutz, ein Geizhals, ein Elender!

Wieder in den Veranstaltungshallen zurück. Der offizielle Beginn der Veranstaltung steht bevor. Als einige Helfer zum Tresen gehen, um zuvor noch eine kurze Pause zu machen, schließe ich mich an, um schnell noch etwas zu trinken. Kaum am Tresen angekommen, wird mein Kopf schwer und wattig, mein Rückgrat schwächelt, die Beine fühlen sich an wie Gummi. Dieser elende Vormittag hat mich völlig zermürbt. Am liebsten setzte ich mich hin, ließe den Kopf einfach hängen, würde ihn vielleicht mit der Hand abstützen und ein wenig wegdösen.

Doch gibt es weit und breit nicht eine Sitzgelegenheit. Meine Hüfte knickt einfach so im Stehen weg, während mein Kopf, einer Schwerkraft folgend,  gen Tresen plumpst, wo ich zum Glück gerade meinen Arm aufstellte und so den Kopf mit dem Handteller auffangen kann.

Im gleichen Augenblick spüre ich die Blicke der beiden Barkeeper hinter dem Tresen, die mit dem Polieren der Gläser abrupt innehalten. Riesengroße Augen machen sie, als könnten sie nicht glauben was sie sehen. Der eine blickt auf mich herab, so als betrachte er einen ekeligen Wurm, und poltert verächtlich los.

Ja, wo kommst duuu denn her!? Aus Amerika, wa! Mit diesen verrohten Sitten brauchste hier gar nicht anzufangen; dass das gleich mal klar ist!

Mein Hirn reagiert verzögert … was ist denn jetzt los? Verwirrt murmele ich:

…Bidde was … ?

Das verstehe ich nicht! Wie oft schon sah ich müde Gestalten an einem Tresen hängen?! Nie beschwerte sich da jemand Warum ist es nicht in Ordnung, wenn ich so erschöpft bin? Mir fehlt die Kraft zur Auseinandersetzung, aber eines muss ich noch schaffen: ich muss hier irgendwie weg. Sofort!

Draußen! Das Veranstaltungsgelände ist von hier gut zweihundert Meter entfernt. Ganz klein wirkt alles, und fern … und es ist angenehm still. Ja klar, alle Menschen, die hier leben, halten sich heute in den Veranstaltungshallen auf. Richtig ländlich und friedlich ist es hier. Ich spüre zunehmend Entspannung und wie meine Kraft zurückkehrt.

Die Entspannung ist so angenehm, ich möchte sie noch steigern.  Ich lege mich auf einen größeren Gegenstand aus Holz, der nahe einer Hauswand steht. In meiner Hand halte ich einen großen Löffel, der zugleich die Funktion eines kleinen Spatens haben könnte. Der Griff ist aus hellem, poliertem Holz und hat an seinem Ende einen feinen silbernen Aufhänger. Die flache Löffelschale ist ebenfalls aus silber glänzendem Metall, hat eine geradlinige Vorderkante mit einer rundlichen, offenen Verdickung mittig. Darin vermute ich ein Innengeweinde (für einen Wimpernschlag glimmt dabei eine hauchfeine Irritation in meinem Bewusstsein auf). Aus dieser Öffnung wird ein feiner Wasserstrahl heraustreten, sobald sich der Zulauf geöffnet hat – diese Öffnung unterliegt allerdings nicht meiner Kontrolle.

Ganz vorsichtig führe ich den etwas sperrigen Spatenlöffel zwischen …  meine Lippen. Auch wenn die Kanten nicht scharf, eher noch leicht gerundet  sind, so empfinde ich das Kantige an den empfindlichen Schleimhäuten als ziemlich unangenehm. Zumindest kann ich mich nicht entspannen, wenn ich immer Sorge haben muss, mir versehentlich Schmerzen zuzufügen. Vielleicht bringt mich der sanfte Wasserstrahl gleich noch richtig in Stimmung und …

Lauter Türenknall! (Windzug) – wach!

Zum Traumbild

Für dieses Traumbild habe ich zwei Fotos und eine Grafik bearbeitet und schließlich zu einem Bild montiert. Da mir die Zeit* für richtig sorgfältiges Freistellen der einzelnen Elemente fehlte, ging das fertige Bild durch einen Filter, um auf diese Weise meine zu groben Schnitzer zu vertuschen.

*Eine Augenerkrankung macht es mir zunehmend schwerer, überhaupt noch solche Feinarbeiten auszuführen.

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9 Kommentare zu „Amerikanische Sitten, wa!

    1. Es kommen verschiedene Faktoren zusammen. Die beeinträchtigendste Sache kann nicht operiert werden. Theoretisch schon, aber praktisch ist das Risiko zu Erblinden ziemlich hoch. Auch könnte ich gar nicht die Kosten tragen. Wie angedeutet, gibt noch andere Hinderungsgründe. Führt aber viel zu weit.

      Ich habe mich an die Form meiner Träume ja inzwischen gewöhnt. Bisher ist es mir nie zu viel geworden.
      Tja, die Entspannung … ich sollte mich vielleicht nicht mit dem Erstbesten, das mir in die Finger kommt, zufrieden geben! 😉

  1. Weißt du wirklich alles was du geträumt hast? Für mich unvorstellbar! Oder sind es Tagträume, die du zu einem Roman zusammen stellst, um uns zu erheitern? 🙂

    1. Das sind meine nächtlichen Träume. Beim Traumerinnern verfälscht man sicherlich unbewusst. Absichtlich mache ich das aber nicht.
      Ich habe nun Lust bekommen, Deine Frage ausführlicher zu beantworten und habe damit angefangen, einen Beitrag zu diesem Thema zu schreiben.

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