Zart bitter

Eigentlich wäre da noch ein vorheriger Traum zu erzählen, dem ich ein Treffen mit Mr. Speed verdanke (natürlich, ein traumhaftes Treffen). Ganz abgesehen davon, dass das  mit „Mr. Speed“ geradezu direkt verbundene Traumsymbol darauf hinweisen könnte, welch starke Wirkkraft eine Speedweek mit sich bringt, ist die offensichtliche Traumhandlung eben eine, die ich hier nicht frei erzählen kann. Von wegen Altersfreigabe und so. *hüstel* — Da ich einen Zusammenhang mit der Speedwoche vermute, möchte ich den Traum hier festhalten, suche nur noch nach einer Lösung, wie ich das genannte Problem schamhaftlos (habe ich jetzt die verkehrte Silbe durchstrichen? Bin ganz durcheinander) umschiffen kann. Um Zeit zu schinden, erzähle ich einen anderen Traum, den von heute Morgen. Ein Traum, der viel Zartbitter im Dunkel offenbart. Und mir eine Melodie in Erinnerung rief …

Der Traum „Zartbitter“

Am späten Vormittag trete ich über die Türschwelle in die Küche meiner Eltern; Mann und Tochter folgen mir. Nanu, die Küche liegt im Halbdunkel, niemand da?! Wir sind mit meinen Eltern zu einem Tagesausflug verabredet. Sicherlich sind die Beiden nur kurz noch was einkaufen. Ja sicher, im Backofen glimmt ein Licht, er summt. Ich blicke in das Ofenfenster hinein.

Meine Güte … Mutter kocht ja mal wieder für eine ganze Garnison. Berge von Buletten, Hamburger Bratlinge getürmt, mehrere Hackbraten übereinander. Aus allen Poren brutzeln fettige Blasen, das Blech trieft. Ein Anblick, der leise Verärgerung in mir wachruft. Diese Übertreibung wieder! Und wieder wird sie mich zum Essen nötigen, indem sie Druck aufbaut, mir ein schlechtes Gewissen bereitet, wenn – nur wegen mir! – so viel Essen übrig bleibt und sie es fortwerfen muss. Allerdings wird das bei mir nicht mehr so recht greifen. Ich vertrage dieses fettige Essen nicht mehr und werde das unmöglich essen können.

Ich richte mich auf, wende mich ab und dem Küchentisch zu. Mitten auf dem Tischtuch steht eine Kristallschale (ovale Grundform, hoher Rand mit spitzzackiger Abschlusskante). Diese ist gefüllt mit Süßigkeiten, die eines gemein haben: sie sind mit einer Schicht Zartbitter ummantelt. Dominosteine, Lebkuchenbrezelchen und -sterne. Dazwischen einige in glänzendem Papier verpackte Billigpralinen. Vielleicht ist es das Überladene, dieses Zuviel, das eine Naschlust nicht aufkommen lässt.

Mein Blick wandert weiter, über die Tischkante hinweg auf die Küchenbank, wo ich ein weiteres Glasschälchen voller Süßigkeiten entdecke. Vielleicht liegt es daran, dass dem schon etwas entnommen wurde oder erst gar nicht vollständig gefüllt war. Jedenfalls fällt mir die sorgfältige Anordnung der kleinen Lebkuchen auf, sie sind ihrer Form nach gruppiert. Und damit scheinen sie mir etwas sagen zu wollen … Schlagartig wird es mir klar:

Mutter hat die Stücke abgezählt. Je mehr ich davon nähme, um so größer wäre später – wenn ich fort bin und sie nachzählt – ihre Schadenfreude darüber, einer Gewichtszunahme zugespielt zu haben. Je mehr ich nähme, um so größer ihre Freude. Tatsächlich hätte ich gerne ein Brezelchen mit Zartbitterschokolade genascht, aber … Nein, diesen Sieg – und sei er noch so klein – gönne ich ihr nicht.

Was ich erst beim Aufwachen spürte: die ganze Bitterkeit über all das damit Zusammenhängende … einen tiefen Schmerz … und das Wissen um Unabänderliches.
Das lässt den Begriff Dekonditionierungswoche überhaupt noch mal in einem anderen Licht erscheinen.
Und was mich anbelangt: ich bin ein missgünstiges Stück Bitterschokolade. *grmpf*

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9 Kommentare zu „Zart bitter

        1. Das war ein guter Zugang. 🙂
          Aber, ach Mensch, Sie haben mich im Traum nicht wahrgenommen, obwohl ich direkt neben Ihnen (und Ihrer Rauchware) gesessen habe. Lag vielleicht daran, dass Sie andauernd damit beschäftigt waren, nach etwas Ausschau zu halten. Ich hätte Ihnen mal Feuer geben sollen; darauf bin ich im Traum allerdings nicht gekommen. Vielleicht auch gut so? Womöglich, hätte da meine Traumblase Feuer gefangen und wäre abgefackelt. Nicht auszudenken, ich wäe somit an unpassender Stelle aus dem Traum gefallen und nicht in meinem Bett gelandet. Da liegt doch mein Wecker! Und wenn der mich nicht …

          Gefällt 1 Person

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