Entgleisung

[Traum vom Morgen] Als ich, auf dem Beifahrersitz schlafend, wachgerüttelt werde, kommt unser Auto gerade zum Stehen. Vor unseren Augen entgleist eine S-Bahn*, landet keine zehn Meter von uns entfernt im Grün. Die Türen gehen auf, vier mit Maschinengewehren bewaffnete Geiselnehmer – darunter Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner – springen heraus, nur um durch eine der hinteren Türen wieder zuzusteigen. So wie man es macht, wenn man sich einer Fahrkartenkontrolle entziehen will. Man könnte aufatmend denken: puh, dann sind wir die ja los! Da die Bahn jedoch völlig neben der Spur ist, wird sie so bald nicht weiterfahren. Damit verbleiben auch die Täter in meiner Nähe und es ist denkbar, dass wir uns unbeabsichtigt in die Quere kommen. Ich habe Angst!

Aber wir sind ja nach Holland gefahren, um hier ein paar schöne Urlaubstage zu verbringen! Mein Partner (Typ Steinbock) zeigt sich von dem bedrohlichen Ereignis vollkommen unberührt; so als sei es gar nicht geschehen. Müde und irgendwie benommen dackel ich einfach mit ihm mit. Ich fühle mich bedroht, die Angst sitzt mir im Nacken, aber ich bin zu geschwächt, um das zu äußern.

Schon sind wie mittendrin, in einem Grachten-Festival. So vermute ich, denn an jeder Gracht machen mehrere Bands Musik. Vor allem Rock- und Metalgedönse. Biker. Lederkluften. Die Besucher spazieren also von Gracht zu Gracht, wobei der jeweilige Höhepunkt der Moment ist, da man auf einer Brücke über einer Gracht steht, mit einem Bier in der Hand und der Musik lauscht. Verdammt! Niemand scheint zu bemerken, dass die Brückengeländer überhaupt nicht ihren Zweck erfüllen! Einige vierkantige Metallstreben, die sparsam und willkürlich verteilt sind, können nicht verhindern, dass man in einem unbesonnenen Moment von der Brücke stürzt. Unter den Brücken aber gähnen finstere Abgründe! Ich blicke direkt in einen hinein: ein Abgrund ohne erkennbares Ende!

Von plötzlicher Höhenangst erfasst, beginnt sich alles um mich herum zu drehen. Ich versuche dem Taumel nicht nachzugeben, bin aber schon durch das Geländer auf die ungesicherte Seite gerutscht, und ich sehe mich auf den Abgrund zugehen, ohne das verhindern zu können. Stumm vor Angst zupfe ich hilfesuchend am Jackenärmel meines Partners, doch der merkt gerade wegen etwas anderem auf und meint: “ Ja, hör mal! Da spielt doch gerade Alison Blackhead?!“ Sein Blick wird sentimental, geht in eine weit zurückreichende Vergangenheit und er meint selig: „Ist ja klar, dass wir uns diese Band anhören müssen.“

Aber die unsicheren Geländer, die vier Geiselnehmer? Wir sollten hier schnellstmöglich verschwinden! Möchte nicht die Panik erleben, wenn die hier schwer bewaffnet auftauchen. Da werden einige blindlings in den Abgrund laufen. Die Angst umwabert mich unaufhaltsam.

Doch nur ich scheine ängstlich zu sein. Einige alte Holländerinnen mit langen bauschigen Röcken und langen Schürzen blicken –  immer wieder heiter auflachend – dem erwarteten großen Besucherstrom entgegen. Männer stehen neben den Grachten, voller Freude darüber, gleich das Bier aus den Fässern zu zapfen und dieses mit heiter wippenden Schaumkronen an die Gäste zu verteilen.. Ein lauschiger und unbekümmerter Tag wird es werden. Ich habe Angst!

Schade, ich weiß nicht, wie es weitergegangen wäre. Blöder Wecker.

*S-Bahn –> Speedweek

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