Die Schwarzläuferin

[Traum von gestern] Direkt aus dem Schlaf und dem Haus heraus starte ich zu einem Lauf in den Morgen. Ich laufe einfach los, gedankenleer. Verinnerlicht – und mit aller Selbstverständlichkeit vorraussetzend, mich im vertrauten Umfeld zu befinden, realisiere ich nicht, dass ich fremdes Terrain unter die Füße nehme. Meine Bewegungen fühlen sich warm und geschmeidig an, wie die einer satten, schwarzen Wildkatze, die keiner Beute nachjagt, sondern nur aus purer Lust durch die Gegend läuft. Dieses gute Gefühl mag am schwarzen Pulli liegen, der sich weich meinem Körper anschmiegt; und an der elastischen Hosenhaut, die Waden und Schenkel fest und sanft zugleich umspannt.

Im Traum trug ich diesen schwarzen Pulli, der kaum wahrnehmbar mit einem feinen Goldfaden durchwirkt ist, und dazu diese Lauftight. Die komplett schwarzen Laufschuhe aus dem Traum besitze ich nicht. Die (Spielzeug-)Sonnenbrille dient  dazu, mich hier zu verdecken. Ist also genau so wenig Teil des Traumes wie mein breites Grinsen. Vermutlich habe ich im Traum immer verkniffener dreingeschaut. Mit diesem Bild als Gegengift macht mir der Traum gleich mehr Spaß.

Erst nach etwa hundert Metern, als ich vor mir auf dem Weg Klausbernd erkenne, der offenbar zu einem Morgenspaziergang aufgebrochen ist, kommt mir – mehr als Idee – die Annahme, dass wir wohl am gleichen Wochenendseminar teilnehmen und in dem Gebäude hinter uns übernachtet haben. Was ist denn bloß mit meinen Beinen, mit meiner Kondition los? Ich trabte die ersten Meter locker los und jetzt, wo ich in mein übliches Lauftempo übergehen möchte, geht mir gleich die Puste aus? Oder sind es doch mehr die Beine, die nicht so recht gehorchen wollen? Das läuft überhaupt nicht rund und ich komme kaum voran! Liegt womöglich auch daran, dass ich noch dabei bin, einen Schlüssel – oder ist es ein schwarzer Stab? – in die rückwärtige Reißverschlusstasche meiner Laufhose zu friemeln und meine Arme dadruch für einen bremsenden Gegenschwung sorgen. Fühlt sich nicht gut an und rein optisch sieht mein Laufstil sicher nach „gewollt, aber nicht gekonnt“ aus.

Gleich würde ich Klausbernd überholen; eine ungünstige Überschneidung mit meinem aktuellen Laufproblem. Klausbernd und ich haben uns einige Zeit nicht gesehen, da kann ich nicht einfach mit einem „Hallo“ an ihm vorbeilaufen. Klar, ich wüsste, dass sich später noch Gelegenheit zum Plaudern ergäbe, aber Klausbernd hatte ja nicht gesehen, dass ich aus dem gleichen Gebäude komme und wir noch Zeit zusammen verbringen werden. Im Vorbeilaufen kann ich das nicht so schnell klären, zumal ich immer noch nicht das Kleinteil in der Hose verstauen konnte (nur eine Nebensächlichkeit, und so lästig und ablenkend). Dazu das sperrige Gefühl in den Beinen, das nur kurze Schritte möglich macht.

Überhole ich also Klausbernd in diesem Laufstil, wird er wohl sinngemäß in etwa denken: „Jetzt ist es ihr wichtiger, hier mit ihrer Lauferei zu protzen, als kurz mit mir zu sprechen. Dabei kann sie noch nicht mal laufen. Lächerlich.“

Gerade sehe ich auch, dass sich Konrad zu Klausbernd gesellt und sie den Weg zusammen fortsetzen. Genau auf der Höhe der Beiden – sie bemerken mich wahrscheinlich noch gar nicht (von wegen toter Winkel und so) – bemerke ich links von mir einen langen und sauberen Sandweg, der zu einem Nebengebäude führt. Dieses liegt ganz frei im Sonnenlicht, was es als Ziel nur attraktiver macht. Ich könnte dorthin ausweichen, auslaufen, die Sache in der Tasche verstauen. Noch mal in Ruhe durchatmen und den Lauf ganz neu starten, wodurch er vielleicht reibungsloser und erfreulicher würde. Kraftvoll und geschmeidig würde ich Klausbernd und Konrad passieren, ihnen im Vorbeilaufen locker zurufen, dass wir uns später noch sehen und sprechen würden, dabei den Lauf glücklich fortsetzen und vollenden.

Anmerkung: Tssss … Im Wachleben würde ich in so einem Fall einfach den Lauf unterbrechen. Wo ist das Problem? Bin ich wirklich so kompliziert gestrickt (mit Goldfaden??) Traurig auch: mir bleibt ja nicht mal Raum für Wiedersehensfreude. Warum trage ich diese warme Kleidung bei dem schönen und warmen Wetter? Schwarze Sportkleidung beim Lauf durch die Sonne – bin ich bekloppt? Fragen über Fragen … – und ob man wirklich auf alle eine ehrliche Antwort möchte, sei noch mal dahingestellt.

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3 Kommentare zu „Die Schwarzläuferin

  1. Träume haben ja die Eigenschaft, manchmal recht symbolisch Dinge darzustellen – und Zeug zu ergänzen, das rein gar nichts bedeutet. Ich hatte schon Träume, die mir eine Angst bewusst gemacht haben, die durchaus wichtig und richtig zu klären war – und allzuoft schon Zeug geträumt, das nichts oder auch nur in meiner blühenden Phantasie was bedeutete.

    Ich glaube, bei Träumen muss man einfach mal hinfühlen, ob da „was ist“, ansonsten kann man den Traum oft einfach unter „verrücktes Zeug“ abheften 🙂

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    1. Sorry, ich hatte hier noch gar nicht drauf reagiert, obwohl ich mich über den Kommentar gefreut habe. Ja, manchmal bleibt mir ein Traum völlig verschlossen und dann war es trotzdem schön, oder zumindest interessant, ihn gehabt zu haben. Gute Nacht und schöne Träume Dir 🙂

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