Stilloses aus meinem Kleiderschrank

Als ich dicker war, kamen einige Kleiderfragen schon allein deshalb nicht auf, weil ich in bestimmte Kleidung gar nicht reingepasst hätte. Aber gut, das war „gestern“ und soll heute nicht Thema sein.

Heute passe ich ja rein, in manche Kleidung. Aber eben auch in Fähnchen, die nicht altersgemäß sind und damit den Stempel „stillos“ tragen. Altersgemäß … was heißt das? Tatsächliches Alter? Gefühltes Alter? Das vermutete Alter aufgrund meiner Erscheinung? Ich bin unsicher und damit gewinnt diese unbeschwerte Angelegenheit an Schwere, an Gewicht. Und das Gewicht bin ich doch gerade los geworden!

Genau dafür sind ja diese Nichttrainingstage da: dass man sich mit solchen Fragen beschäftigt und, schwupps, endlich ein Luxusproblem mehr hat!

Fange ich also mit einem ziemlich praktischen Utensil für die Dame ab Mitte Fünfzig an:

Der Absatz hat eine Höhe von 13 cm. Das ist schon mal sehr gut, da man in meinem Alter längst zu schrumpfen begonnen hat. Die Muskulatur schwindet, die Wirbel sacken aufeinander – aua – und zack, sackt man in sich zusammen. Diese Schuhe schaffen also nicht nur einen Ausgleich, sondern verschaffen sogar noch einen gewissen Vorsprung, denn in ein paar Jahren müsste man ja noch weiter aufrüsten. Weitsichtig geplant, Geld gespart! Für eine weitere Anschaffung:

Selbst das unkundige Auge erkennt, dass hier etwas nicht passt. Ein Stückchen BH blitzt raus, sobald man den Arm auf Schulterhöhe hebt. Ist jetzt nicht so das Problem, denke ich mir. Wann hebe ich denn schon meinen Arm?

Nur erklärt das ja nicht, warum ich mir ein zu knappes Shirt gekauft habe. Zudem noch mit Sicherheitsnadeln – die Zeiten sind ja längst vorbei. Ich stellte mir einen heißen Sommertag vor, an dem ich dankbar für jedes Lüftchen wäre, das meinen erhitzen Körper kühlt. Und wäre es nicht angenehm, wenn kühler Draht die Haut streifte und angenehme Schauer … Nein, nicht? Aber dieser schwarze Stern aus Lederimitat hat doch was, oder? Außerdem steht da „Miss Sixty“ Okay, eigentlich Jahrgang 61, aber ist doch perfekt für mein Alter. Genau die passende Anspielung.

Ernsthaft: ich weiß nicht mehr, warum ich dieses Teilchen haben musste. Aber ich werde es tragen. Nicht nur mit Fassung, sondern auch mit einem leicht verwegenen Gefühl. Wohl nicht zum Einkaufen und nicht, wenn ich mich unter viele Menschen begebe. Ich habe, sobald ich das Shirt im Schrank liegen sehe, immer ein Bild vor Augen: wie ich im Sommer mit dem Rad die endlos langen und einsamen Forstwege entlang radele. Ich werde so glücklich mit meinem Fehlkauf sein.

Advertisements

Ein Kommentar zu „Stilloses aus meinem Kleiderschrank

  1. Ich würde ja ganz gewagt die Klammern entfernen. Sehen kann man ja trotzdem nichts – und das verwegene Gefühl würde sicher noch deutlich gesteigert… 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s